WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

Empfehlungen Von Erich Klein

vom 27.03.2019

Eine der großen Demokratiebegrün dungsschriften

Die Frühschrift wurde als "eine der großen Demokratiebegründungsschriften überhaupt" bezeichnet. In ihrer Erstfassung aus 1920 reagierte der "Vater der österreichischen Bundesverfassung" auch auf den Sowjetkommunismus, bei der Redaktion aus 1929 stand der Faschismus vor der Tür. Die Fragen lauten: Wie ist die Freiheit des Einzelnen am wirkungsvollsten zu sichern? In welchem Verhältnis steht das Parlament zum Volkswillen? Und immer noch aktuell: "Die Erziehung zur Demokratie wird eine der praktischen Hauptforderungen der Demokratie selbst."

Hans Kelsen: Vom Wesen und Wert der Demokratie. Reclam, Stuttgart 2018,163 S.

"Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich"

Bekannt war Anton Kuh (1890-1941) viel zu lange nur als Opponent von Karl Kraus, den der "Sprechsteller" 1925 als "Affe Zarathustras" titulierte. Nach dem Tod des Emigranten in New York kursierten nur wenige Schriften sowie das Bonmot "Lieber in Berlin unter Wienern, statt in Wien unter Kremsern leben." Den Schatz hob erst der Wiener Literaturwissenschafter Walter Schübler mit einer siebenbändigen Werkausgabe, deren Abschluss eine minutiös recherchierte Biografie darstellt. Wie sagte Kuh: "Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich."

Walter Schübler, Anton Kuh. Biografie. Wallstein Verlag, Göttingen 2018,575 S.

Die Ziele der Linken sind zweifelhaft, der Sieg der Rechten ein Pyrrhussieg

Am Anfang steht Otto Bauers "Wir stehen mitten in einer Revolution!" im November 1918. Der rhetorische Bürgerkrieg zwischen Links und Rechts eskalierte bis zu den Toten von Schattendorf im "Unglücksjahr" der 1. Republik 1927. Wie es zu den dreihundertsechzig (und nicht Tausenden) Todesopfern des Februaraufstands von 1934 durch die Hand des "Arbeitermörders" Dollfuss kam, wird detailgenau analysiert. Die Ziele der Linken waren zweifelhaft, der Pyrrhussieg der Rechten spielte den Nazis in die Hände. Keine Sensationshascherei, aber eine Pflichtlektüre.

Kurt Bauer: Der Februaraufstand 1934. Fakten und Mythen. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2019,217 S.

Verschwurbelte Erotik, glühend in Farben und Innigkeit

Der Himmel ist in Österreich barock: Gemalt wurden biblische Mythologien voll verschwurbelter Erotik, glühend in Farben und Innigkeit, die Lichtführung expressiv. Künstlern wie Michael Rottmayr, Johann Georg Platzer oder Paul Troger war es egal, dass es sich um Andachts-, Altarbilder oder Deckenfresken handelte. Und ihren geistlichen Auftraggebern war es recht. Fazit: Eine faszinierende Geschichte von zweihundert Barockgemälden, die ein Tiroler Sammlerpaar jahrzehntelang zusammentrug und einem Stift im Waldviertel schenkte, wo die Bilder jetzt zu sehen sind.

Monika Dachs-Nickel, Andreas Gamerith: Die Sammlung Arnold in Stift Altenburg. Studienverlag Innsbruck, Wien, 2018

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