ERNÄHRUNGSETHIK

Essen Sie einen bedrohten Meeresfisch wenigstens mit schlechtem Gewissen?

Der transdisziplinäre Forschungsbereich Gastrosophie befasst sich mit unserer Ernährung und macht Appetit auf eine Ernährungswende

Martina Nothnagel
vom 27.03.2019

Gutes Essen ist nicht allein eine Frage des Geschmacks, es ist auch eine Frage der Ethik: Massentierhaltung wird als grausam empfunden, lange Transportwege belasten die Umwelt. Biotechnologisch manipulierte Lebensmittel gelten vielen als abstoßend und Inhaltsstoffe als gesundheitsschädigend. Auch trägt die Nahrungsmittelproduktion zur Klimaerwärmung bei. Kurz, was wir essen, hat Konsequenzen. Nicht nur für unsere individuelle Gesundheit, sondern auch für die Welt, in der wir leben.

Die Gastrosophie möchte den Blick für die Verantwortung schärfen, die wir durch unsere Ernährungsgewohnheiten tragen, und Alternativen aufzeigen. "Ziel ist ein Bewusstseinswandel und letztlich eine Ernähungswende", erklärt Harald Lemke. Er ist Direktor und wissenschaftlicher Leiter des Internationalen Forums Gastrosophie (IFG) mit Sitz in Salzburg.

Zwar wählen immer mehr Menschen ihre Nahrung nicht nur nach Gusto, sondern auch nach ethischen Überlegungen aus, doch die Mehrheit von ihnen isst nach wie vor wenig verantwortungsbewusst. Dabei bedeutet "gutes Essen" im ethischen Sinn nicht zwingend rigorose Tugend. "Ein bisschen besser essen, ein bisschen gerechter, nachhaltiger und gesünder ist nicht nur mit Verzicht verbunden", betont Lemke. "Wir brauchen eine Ethik, die alltagstauglich ist. Achtzig Prozent richtig ist auch gut." Gastrosophie will nicht den Appetit verderben, sondern Lust auf Neues machen.

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