Gastkommentar

Jugendliche und Literatur und wie man sie zusammenbringen kann

Veronika Trubel
vom 27.03.2019

Sie passen ideal zusammen und auch gar nicht: Jugendliche und Literatur. Literatur hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, der oft ein Zerrbild von Kritik oder Anklage zeigt. Das tun Teenager auch. Aber wenige von ihnen lesen Bücher. Wenn von Jugend und Literatur die Rede ist, kommt schnell etwas Störrisches ins Spiel. So lies das doch, es wird dir gefallen! Es ist schwierig sich für etwas zu begeistern, das einem vorgesetzt wird, besonders, wenn man jung ist. Mit der Literatur ist es wie mit jeder Leidenschaft: Man kann sie nicht verordnen. Sie will entdeckt werden. Wie kann man das fördern?

Zur Klärung dieser Frage macht es Sinn, Jugendliche drei Gruppen zuzuordnen: Die einen lesen einfach nicht gern und haben nie gern gelesen. Für belesene Eltern sind sie eine Herausforderung, an der man kolossal scheitern kann. Das ist die erste Gruppe.

Die zweite Gruppe ist die kleinste: Diese Mädchen und Burschen haben immer schon gern gelesen. Aus Volksschulleseratten werden lesende Teenager. Bei manchen liegen Jahre dazwischen, in denen sie mehr Spiele oder Serien konsumieren. Aber Bücherlinge vergessen nicht und finden zurück, übrigens auch zu Hörbüchern. Oft konnten sich diese Jugendlichen schon sehr früh in etwas völlig vertiefen. Irgendwann einmal entdecken sie dann den Sog, der von guter Dichtung ausgeht.

Die dritte Gruppe ist die hier relevanteste: Es sind ursprünglich Nichtleser, die dann doch zu Lesern geworden sind. Sie entdecken etwa auf Rat eines Freundes das Originalbuch zum Lieblingsfilm und wie anders der Held im Buch herüberkommt. Diese Jugendliche nennen oft andere Menschen als Vorbild: Die große Schwester, die ein Buch liebte und daraus vorlas, bis man es selbst lesen wollte (und alle anderen 14 Bände gleich dazu); die Tante, die einem Jahr für Jahr Buchgutscheine zum Geburtstag schenkt, die man erst zögerlich und später mit Freude einlöst,oder die beste Freundin und ihr Lieblingsbuch.

Literatur lieben lernen funktioniert über die persönliche Weitergabe von persönlicher Begeisterung: Eine besondere Stelle vorlesen und von der Autorin, vom Autor erzählen; Literatur lieben und diese eigene Liebe als Angebot weiterreichen. Und dann aushalten, was passiert - oder eben nicht passiert.

Literatur und Jugendliche zusammenzubringen ist Arbeit und funktioniert als Angebot, das auch scheitern kann.

Bei den eljub Projektwochen schreiben Jugendliche aus vielen verschiedenen europäischen Ländern gemeinsam E-Books. Literatur wird dabei als Raum der Begegnung erlebt. In Kooperation mit den Europäischen Literaturtagen begegnen sie internationalen Autorinnen und Autoren, die sie in Workshops unterstützen und ihnen ihren Zugang zu Literatur vermitteln. Die E-Books stehen zum kostenfreien Download auf eljub.eu.

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