FREIBRIEF

Black Hope

FLORIAN FREISTETTER
vom 22.05.2019

Am 10. April 2019 wurde das erste Bild eines Black Hole, eines schwarzen Lochs, veröffentlicht. Das Ereignis wurde weltweit gefeiert und wird die Astronomie maßgeblich beeinflussen. Zum ersten Mal konnte man beobachten, was bislang nur mathematisch aus der Theorie abgeleitet und untersucht werden konnte. Aber selbst wenn man von der reinen Wissenschaft absieht, hält das schwarze Loch wichtige Lektionen für uns bereit.

Zuerst einmal eine offensichtliche: Man erreicht mehr, wenn man kooperiert! Das Bild konnte nur gemacht werden, weil Forschende auf der ganzen Welt zusammengearbeitet haben. Radioteleskope rund um die Erde wurden zu einem Verbund zusammengeschaltet, um ein virtuelles Teleskop von mehreren tausenden Kilometern Größe zu simulieren. Nur damit war die Abbildung des schwarzen Lochs möglich. Mit Nationalismus und Abschottung kommt man nie weit, auch in der Wissenschaft nicht.

Darüber hinaus zeigt uns das Bild des schwarzen Lochs aber auch, wie wichtig der Zugang von möglichst vielen Menschen zur Wissenschaft ist. Wir sind derzeit nicht in der Lage, schwarze Löcher vollständig zu beschreiben. Die vorhandenen Theorien wie Relativitätstheorie und Quantenmechanik funktionieren hier nicht. Für sich allein genommen liefert jede Theorie unsinnige Ergebnisse. Es braucht eine Kombination, eine "Quantentheorie der Gravitation", aber die gibt es nicht. Trotz jahrzehntelanger Suche hat man noch nichts gefunden, das in der Praxis funktioniert.

Es fehlt der entscheidende Geistesblitz, die geniale Idee, die völlig andere Sichtweise auf das Problem. Und je mehr Menschen darüber nachdenken können, desto eher wird das passieren. Wir müssen daher aufhören, jungen Mädchen einzureden, Naturwissenschaft wäre nichts für sie. Wir müssen sie genauso motivieren und fördern wie die Burschen. Wir müssen Umstände schaffen, die es Frauen erlauben, eine Universitätskarriere genauso problemlos einzuschlagen wie Männer. Wir müssen darüber hinaus sozial Schwachen den Zugang zu den Universitäten ermöglichen. Je mehr Menschen die Chance haben, ihre Begabung auszuleben, desto besser und schneller werden wir die Welt verstehen. Und uns auch.

MEHR VON FLORIAN FREISTETTER: HTTP://SCIENCEBLOGS. DE/ASTRODICTICUM-SIMPLEX

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