VETERINÄRMEDIZIN

Fadenwürmer-Weibchen verwenden Männchen nur als Spermaproduzenten

Um allein ihre eigenen Gene weitergeben zu können, pflanzen sich Fadenwürmer-Weibchen ungeschlechtlich fort. Und die Männchen?

JASMIN GERSTMAYR
vom 22.05.2019

Fadenwürmer-Weibchen wissen, was sie wollen, und zwar keine männliche Erbsubstanz: Sie pflanzen sich ungeschlechtlich fort und geben nur ihre eigenen Gene weiter. Sie unterhalten also eine rein weibliche Linie. Warum sich die Existenz der Männchen evolutionär gesehen dennoch auszahlt, fanden Forscher an der Universität Lyon heraus. Ihre Daten wurden im Wissenschaftsmagazin Science publiziert. Auch die Bioinformatikerin Claire Burny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien war an der Studie beteiligt.

Das Team untersuchte dabei Fadenwürmer der Gruppe Mesorhabditis belari, die sie aus dem Boden und von verrottenden Pflanzen gewinnen konnten. Vor rund neunzig Jahren wurde diese Art Fadenwürmer verwendet, um das Phänomen der Parthenogenese ("Jungferngeburt" - ein Organismus pflanzt sich asexuell fort) zu untersuchen. Ganz ohne Männchen geht's aber dann auch bei den Fadenwürmern nicht: Ihr Sperma wird zur Aktivierung der Eizellen verwendet, allerdings ohne dass die männliche DNS mitmischen darf. Nur bei neun Prozent der befruchteten Eizellen tritt die männliche DNS in den Genpool ein. Aus ihnen entstehen die wenigen Fadenwürmer-Männchen, die zur Aktivierung der Eizellen benötigt werden. Sie sind allein als Spermaproduzenten wichtig. Aus den restlichen 91 Prozent der befruchteten Eizellen werden Weibchen, deren Gene unter sich bleiben.

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