WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

EMPFEHLUNGEN VON ERICH KLEIN
vom 23.10.2019

Der Blauwal hat die Walfangära überlebt

Stundenlang spritzt Blut aus dem Auge des Blauwals, in dem eine Harpune steckt. Auf die grausame Szene folgt eine großartige Geschichte des Blauwals, dessen Fang die Basken schon im Mittealter betrieben. 1837 wird erstmals die Harpunenkanone eingesetzt. Parallel zum industrialisierten Fang im 19. Jahrhundert beginnen Diskussionen über den Walschutz. Erzählt wird von Waltran als Lebensmittel und Sprengstoff, Walfangflotten, dem "Gesang der Wale" und den illegalen Fangmethoden der ehemaligen UdSSR und Japans. Immerhin: "Der Blauwal hat überlebt."

Andreas Tiernshaugen: Von Walen und Menschen. Eine Reise durch die Jahrhunderte, Residenz Verlag 2019,256 S.

Eine anekdotenreiche Geschichte der Chemie

Am Anfang stehen Dmitrij Mendelejew und seine Leidenschaft, Koffer zu nähen. Dann wird eine materialreiche Kulturgeschichte der chemischen Elemente erzählt: Vom Menschen, der in Lascaux Eiweiß verdaulich zubereitete bis zum neurotischen Glutenallergiker. Kohlenstoff der Steinzeit kommt zu Würden, die Goldzungen des Buches Josua ebenso wie das Quecksilber, das an Chinas Höfen geschluckt wurde. Zinn sei Poesie, Zink Prosa, und in der Mitte steht Liebigs Erkenntnis, der Stein der Weisen sei nichts anderes als die Chemie als Wissenschaft.

Michael Pilz: Tanz der Elemente. Über die Schönheit des Periodensystems, Residenz Verlag 2019,224 S.

Der Kampf um die eisfreie Arktis hat begonnen

Eine australische Firma findet auf Grönland die unumgänglichen Elemente für Supraleiter, Mobiltelefone und militärische Hochtechnologie."Green Economy" investiert in Norilsk in eine aus Stalins Gulag hervorgegangene Industrie. Putin pflanzt unter dem Eis des Nordpols die russische Fahne und bereitet sich auf den "arktischen Krieg" vor, sobald die Nord-Ost-Passage eisfrei ist. China zeigt sich an der "blaue Seidenstraße" präsent. Fünf Reportagen über die "letzte Schlacht unseres langen, leidenschaftlich geführten und blutigen Kriegs gegen die Natur".

Marzio G. Mian: Die neue Arktis. Der Kampf um den hohen Norden, Folio Verlag 2019,168 S.

Eine Biografie des Schriftstellers Peter Turrini

Peter Turrini (Jg. 1944), Sohn eines italienischen Tischlers, im Kärnten der Nachkriegszeit vom Umfeld des Komponisten Lampersberg künstlerisch "sozialisiert", übersiedelt nach Wien und wird Olivetti-Vertreter. Nach Theatererfolgen mit Rozznjogd (1971) und Sauschlachten (1972) folgt in der Ära Kreisky mehr Politik. Seine Alpensaga schreibt ORF-Geschichte. Er schreibt für Burgtheater, Staatsoper und Volkstheater. Der Dramatiker zum Jubiläum der Republik im Jahr 2018: "Was uns bedroht, sind nicht die Ozonlöcher, sondern die Oaschlöcher."

Christine Rigler: Diese Komödie ist eine Tragödie. Werk und Leben des Schriftstellers Peter Turrini, Haymon 2019,240 S.

Mehr aus diesem HEUREKA

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!