: JUNGFORSCHER

Am 11. November ehrte die Fakultät für Sozialwissenschaften der Uni Wien diese Jungforscher für die besten Dissertationen des letzten Studienjahrs mit dem Sowi.Doc-Award

USCHI SORZ
vom 13.11.2019

Tobias Boos, 34, Uni Wien Bis Jänner ist der Kölner noch Fellow des Centro Maria Sibylla Merian an der Universität San Martin in Buenos Aires, dann kehrt er als Postdoc ans Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien zurück. Hier hat er internationale Entwicklung und Politikwissenschaft studiert und im Mai promoviert. Sein Thema sind die populistischen Regierungen Lateinamerikas. "Speziell der Zusammenhang zwischen sozialstruktureller Verortung der Akteure und ihren politischen Realitäten." In seiner Dissertation hat er die Rolle der Mittelklasse für den Populismus in Argentinien untersucht. "Anders als oft angenommen, war diese eine wichtige Stütze der populistischen Kirchner-Regierungen." Der Blick in andere Gesellschaften schärfe auch jenen auf Populismus-Phänomene hierzulande. "Auch bei uns gilt es, vermeintliche Gewissheiten aufzubrechen."

Raffael Heiss, 32, MCI Management Center Innsbruck "Auf social Media erreichen Politiker heute oft mehr Menschen als mit traditionellen Medien", sagt der Tiroler. "Das bringt zwar eine größere Bürgernähe, aber auch Nachteile, weil die Informationen nicht mehr von Journalisten gefiltert und kontextualisiert werden." Für seine Dissertation hat er untersucht, welche Bevölkerungsgruppen sich mit welchen politischen Akteuren auf Social Media vernetzen und welche Effekte von den dort geposteten Inhalten zu erwarten sind. "Insbesondere beim Thema Fremdenfeindlichkeit zeigten sich Polarisierungstendenzen, in denen sich Einstellungen verstärkten." Heiss hat in Innsbruck und Wien Politik-und Kommunikationswissenschaft studiert und beschäftigt sich nun am MCI auch mit Gesundheitskommunikation. "Die Herausforderungen sind ähnlich."

Andreas Streinzer, 35, Institut für Sozialforschung Frankfurt Der Wiener studierte Kultur-und Sozialanthropologie in Wien und ist jetzt Researcher an der Universität St. Gallen sowie Fellow am Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt. Fokus seiner Dissertation war die Finanzkrise in Griechenland. Für die Feldforschung lernte er Griechisch, lebte ein Jahr in verschiedenen Haushalten in der griechischen Hafenstadt Volos und untersuchte, wie diese mit den Folgen der Sparpolitik umgingen. Seine Erfahrungen bewogen ihn dazu, neben den wirtschaftlichen Aspekten auch über Persönliches wie Freundschaft oder Zeitvorstellungen zu schreiben. "Angesichts der Diskrepanz zwischen medialen Zuschreibungen à la ,Faulheit und Misswirtschaft' und der Lage der Menschen in einem zerstörten Sozialsystem wollte ich das Bild zurechtrücken."

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