: ANGEWANDTE MATHEMATIK

Je mehr Verschwörer am Werk sind, desto schneller stirbt eine Verschwörung

Die meisten Verschwörungstheorien haben ein Problem. Sie müssten nach einigen Jahren der Öffentlichkeit bekannt sein

SABINE EDITH BRAUN
vom 13.11.2019

Zu viele Köche verderben den Brei. Das gilt auch für Verschwörungen. Tausend ist die magische Zahl, hat der Oxford-Physiker David Robert Grimes errechnet. Die "Poisson-Verteilung" gibt an, wie eine Anzahl von Ereignissen modelliert werden kann, die bei konstant mittlerer Rate unabhängig voneinander in einem Zeitintervall oder räumlichen Gebiet eintreten. Grimes setzt die Zahl der Verschwörer mit der Zeit und der Wahrscheinlichkeit des Versagens einer Person pro Jahr in Relation. Es kommt weiters drauf an, ob es sich um ein Einzelereignis handelt, das nicht stetig neue Verschwörer erfordert und bei dem die Beteiligten irgendwann sterben -oder nicht. Auch das Durchschnittsalter der Beteiligten wird eingerechnet. Mit Sterbe-und Fehlerwahrscheinlichkeit ergibt dies eine asymmetrische Sättigungsfunktion, die "Gompertz-Kurve". Zur Ermittlung der Wahrscheinlichkeit eines Verrats rechnet Grimes auch Daten von tatsächlichen Ereignissen ein, so die NSA-PRISM-Affäre, aufgedeckt von Edward Snowden. Grimes nimmt dabei ein "Best-Case-Scenario" für die Verschwörung an. Ergebnis: Ein Mondlandungs-Fake (411.000 Beteiligte) wäre nach 3,68 Jahren publik, ein Klimawandel-Fake (405.000 Beteiligte, auch Behörden) nach 3,7 Jahren, ein Zusammenhang zwischen Masern-Impfung und Autismus (22.000 Beteiligte) nach 34,78 Jahren und ein zurückgehaltenes Krebsheilmittel (714.000 Beteiligte von acht Pharmariesen) nach 3,17 Jahren.

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