INFEKTIONSBIOLOGIE

2020 ist das chinesische Jahr der Ratte. Hilft sie uns bei einem Impfstoff?

Der chinesische Mondkalender zeigt uns das Jahr der Metallratte. Ratten gelten als Überträger der Pest und anderer Krankheiten

SOPHIE HANAK
vom 03.06.2020

Zwar haben Ratten noch noch keine Pandemie ausgelöst, aber durchaus Epidemien wie etwa die Pest. Nun werden sie auch in Wien auf das Risiko der Übertragung von infektiösen Krankheiten auf Menschen untersucht. "Bei den untersuchten Ratten fanden wir eine hohe Variabilität an antimikrobiell resistenten Bakterien", sagt Amélie Desvars-Larrive von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Diese können auch für Menschen gefährlich sein, jedoch kommen nicht viele von uns mit Ratten in Berührung, sondern zumeist nur jene, die auf der Straße leben. Für ihre Studien der Ökologie der städtischen Rattenpopulationen musste die Wissenschafterin erst wilde Ratten einfangen. "Das erweist sich in Wien als gar nicht so einfach, denn die Rattenbekämpfung hier ist sehr effizient."

Ratten helfen bei der Entwicklung von Impfstoffen, vielleicht auch gegen das Coronavirus. Der "Totimpfstoff" mit dem Namen PiCoVacc der chinesischen Firma Sinovac führte bei Mäusen, Ratten und Primaten zur starken Bildung neutralisierender Antikörper, benötigt aber noch weitere Testungen.

"Leider haben Ratten einen schlechten Ruf. Und wir vergessen, dass Ratten Wildtiere sind. Am meisten gefällt mir an Ratten ihre Intelligenz und ihre Schönheit. In Wahrheit sind sie sehr sauber. Zwar können sie Krankheiten übertragen, aber selbst das mag ich, denn ich bin ja Infektionsbiologin", lacht Desvars-Larrive.

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