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Das Glossar - Haus-, Versuchs-und Wildtiere

JOCHEN STADLER
vom 03.06.2020

Biodiversitätskrise Massiver Verlust von Tier-und Pflanzen durch menschliche Aktivitäten wie der Zerstörung ihrer Lebensräume, Jagd, Einschleppung invasiver Arten und Klimakrise.

Domestikation Veränderungsprozess bei Wildtieren, die sich freiwillig dem Menschen angeschlossen haben, wie Wolf und Wildkatze, oder von ihm gefangen und als Nahrungsmittel und Zugtier verwendet wurden, wie Auerochse und Wildkamel. Sie wurden zu weniger aggressiven, sich öfter fortpflanzenden Hunden, Hauskatzen, Rindern und Trampeltieren.

Flächeninanspruchnahme Die Österreicher konsumieren aktuell jährlich für ihre Siedlungen, Straßen und Gewerbeparks zusätzliche vierundvierzig Quadratkilometer Grund und Boden, was der Größe von Eisenstadt entspricht und Pflanzen wie Tieren fehlt.

Gefühle Während gebildete Menschen wie René Descartes Tieren früher jegliches Gefühlsleben absprachen und sie für seelenlose, schmerz-und leidfreie Automaten hielten, weiß man heute, dass sie empathisch sind, Frustration, Lust am Sex oder Trauer kennen, einander trösten, beschwichtigen und Gerechtigkeit erkennen.

Haustier Wurde durch Domestikation von Wildtier zum gewollten oder ungewollten Begleiter des Menschen, nutzt ihm auf irgendeine Art und wird durch Züchtung erhalten.

Hunde Waren vor 35.000 die erste Spezies, die sich auf den Menschen einließ und seine Entwicklung maßgeblich prägte.

Invasive Tiere Durch Menschen eingeschleppte Tiere, die heimische oft verdrängen und dezimieren.

Jagd Diente einst der Nahrungsbeschaffung, wurde mit der Entwicklung der intensiven Landwirtschaft sukzessive zum Sport und Hobby.

Katzen Haustiere, mit deren Fotos man auf Facebook die allermeisten "Gefällt mir"-Klicks hervorrufen kann.

Kinderersatz Nach dem Motto "das letzte Kind hat immer Fell" dienen Hund, Katze und Kaninchen älteren Menschen oft als Objekt für ihr Fürsorgebedürfnis.

Listenhunde Aus politischer Willkür ohne wissenschaftliche Grundlage in eine Liste gebannte Hunderassen, denen man entgegen besseren Expertenwissens eine besondere Gefährlichkeit nachsagt.

Mensch Ein Tier, das sich selbst "der vernünftige Mensch" (Homo sapiens) nennt, doch dem selten gerecht wird.

Natur Alles, was der Mensch nicht unmittelbar kontrolliert.

Nützlinge Insekten oder Spinnen, die Schädlinge fressen oder parasitieren und dadurch dem Menschen wirtschaftlichen Vorteil bringen.

Nutztiere Tiere, die mit Ausnahme des Hundes dem Menschen dienlich sind, ohne es wirklich zu wollen. Er ernährt sich von ihrem Fleisch, der für ihren Nachwuchs gedachten Milch, ihrem Nachwuchs selber (Eier), zieht ihnen Haut und Pelz ab, macht aus ihren Zähnen Schmuck, lässt sich von ihnen tragen und testet an ihnen herum.

Raubtiere Ernähren sich von anderen Tieren, die sie dazu lebend fangen und töten, um zu überleben.

Schädlinge Tiere, die von Pflanzen leben, die der Mensch angebaut hat und für sich allein beansprucht.

Schoßtiere Nutztiere mit der einzigen, aber nicht zu unterschätzenden Aufgabe, die menschliche Psyche zu stabilisieren.

Selbstdomestikation Dem österreichischen Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz nach hat sich der Mensch selbst domestiziert, also zum Haustier gemacht und. Er nannte dies "Verhausschweinung" des Menschen.

Speziesismus Diskriminierung von Geschöpfen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Führt dazu, dass die Menschen manche Tiere umsorgen und liebkosen, andere ausnützen und ausrotten.

Theory of Mind Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Wird von Menschen etwa ab fünf Jahren beherrscht, aber auch zum Beispiel von Affen, Raben und Hunden.

Tiertherapie Behandlung von körperlichen und seelischen Erkrankungen durch Unterstützung von Delfinen, Hunden, Katzen, Pferden und Lamas.

Tierversuche Wissenschaftliche Experimente am lebenden Tier, um hauptsächlich dem Menschen dienlichen Wissensgewinn zu generieren.

Veganismus Ernährung ohne jegliche tierische Produkte.

Vegetarismus Ernährung ohne Nahrungsmittel, die von getöteten Tieren stammen.

Wildtiere Vom Menschen nicht direkt kontrollierte Tiere. Werden teils romantisiert, teils gezielt oder durch Kollateralschaden ausgerottet, teils gefangen und verspeist. Viele Arten von ihnen kennt die Menschheit noch nicht einmal.

Zoo Parkähnliche Anlage zur Zuschaustellung verschiedener Tierarten zum Gaudium der Menschen. Neuerdings werden sie gern mit Arterhalt gerechtfertigt, doch dazu tragen sie langfristig nicht ernsthaft bei.

Zoonose Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch und Mensch zu Tier übertragen werden können, wie Aids, Salmonellose, Influenza und SARS-CoV-2

Züchtung Von Menschen kontrollierte Fortpflanzung von Tieren und Gewächsen, um ungewollte Eigenschaften zu beseitigen und gewollte hervorzuheben.

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