EDITORIAL

Das Tier in mir

CHRISTIAN ZILLNER
vom 03.06.2020

Hasenpest, darauf haben wir gerade noch gewartet. In der Stadt Salzburg, im Pongau und Tennengau wurden die Kadaver von Tieren gefunden, die an der Hasenpest verendet sind. Die Hasenpest ist auch für Menschen gefährlich, nicht nur für Angsthasen.

Was haben die Tiere nur gegen uns? Als Kind dachte ich immer, ein Wiener Schnitzel sei eine Erscheinung wie ein Osterei, nur mit einer Panier, wienerisch für Kleidung, damit ihm am Teller nicht zu rasch kalt wird. Woher sollte ich wissen, dass es im vorigen Leben als Kalb oder Schwein in einem Stall gestanden hat? Ich wäre nie auf die Idee gekommen, bei einem Besuch dort einem oder beiden in den Hintern zu beißen. Aber offenbar esse ich Tiere, wenn ich das hinunterschlinge, was auf den Speisekarten unter Hauptspeisen steht. Die deutsche Sättigungsbeilage hingegen kommt ohne Tiere aus, kein Wunder bei dem Namen.

Ich weiß nicht, ob Viren unter der Kategorie Tiere laufen, auch nehmen wir sie nicht bewusst ein. Aber wir sollten unser Verhältnis zum Königreich der Tiere überdenken. Etwa beim Biss in eine Eitrige. Was ist sie in ihrem früheren Leben gewesen? Hat sie noch Verwandtschaft? Ist das Burenhäutl eingeheiratet? Ist mein Magen eine würdige Begräbnisstätte? Fragen, die uns Tiere auch näher bringen.

Mehr aus diesem HEUREKA

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe 6 Monate FALTER um 3,20 € pro Woche
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!