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BUCHEMPFEHLUNGEN ZUM THEMA

VON EMILY WALTON
vom 03.06.2020

Was den Verstand tatsächlich prägt

Louise Barrett, Professorin für Psychologie, legt dar, weshalb Denken und Verhalten eine Eigenschaft des gesamten Organismus und nicht nur des Hirns ist und wie Körper, Gehirn und Erkenntnis mit der Umwelt zusammenspielen. Auch die evolutionsgeschichtlichen Unterschiede zwischen Mensch und Tier werden beleuchtet bzw. welche Auswirkungen diese auf Denken und Verhalten haben. Barrett geht auch der grundsätzlichen Frage nach, was Gehirne gut können und wann es sich auszahlt, ein großes bzw. überhaupt eines zu haben.

Louise Barrett, Beyond the Brain: How Body and Environment Shape Animal and Human Minds. Princeton University Press, 288 S.

Wenn Tiere zu Gefährten werden

Sind Haustiere Freunde, die uns helfen, emotionale Grundbedürfnisse zu decken? Fest steht für James Serpell, Professor für Ethik und Tierschutz, jedenfalls eines: Immer dann, wenn wir Tieren die Rolle als unsere Weggefährten zuschreiben, unterwandern wir damit die strikte Trennung zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Lebewesen. Was auch bewirkt, dass wir uns den moralischen Widersprüchen stellen müssen, die durch die (tendenziell gute) Behandlung von Haustieren und unserem (tendenziell weniger guten) Handeln gegenüber Tieren im Allgemeinen entsteht.

James Serpell, In the Company of Animals. A Study of Human-Animal Relationships, Cambridge Univ. Press, 316 S.

Die tierische Gesellschaft

Wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist, wird zu einem Gutteil durch die Interaktion mit Tieren geprägt. Ausgehend von dieser Prämisse zeigt Margo DeMello, die Anthropologie und Soziologie lehrt, wie die Rolle der Tiere in der amerikanischen Gesellschaft hierarchische Beziehungen, die auf Sexismus, Rassismus und Privilegien basieren, aufrechterhalten. Welche Identitäten wir für uns mithilfe von Tieren zurechtzimmern, wird ebenso beschrieben wie Tierrechtsaktivismus, Domestizierung, die Debatte über Tiergärten, sowie die Darstellung von Tieren in Film und Literatur.

Margo DeMello, Animals and Society: An Introduction to Human-Animal Studies, Columbia University Press, 470 S.

Die Verantwortung der Menschen

Menschen sind weder wichtiger als Tiere, noch sind sie ihnen aufgrund der menschlichen Moral überlegen. Vielmehr sind sie dazu verpflichtet, Tiere als empfindungsfähige Wesen anzuerkennen und sie dementsprechend zu behandeln. Christine M. Koorsgard, Moralphilosophin in Harvard, geht auf Theorien von Aristoteles oder Immanuel Kant zurück. Beleuchtet werden aber auch aktuelle, praktische Fragen: Ob es Menschen zusteht, Tiere zu essen und an ihnen Versuche durchzuführen, ob wir das Recht haben, sie für uns arbeiten und kämpfen zu lassen, oder sie als Haustiere zu halten.

Christine M. Korsgaard, Fellow Creatures, Oxford University Press, 252 S.

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