GENETIK

Sex mit Menschen: Die Denisovaner überflügeln die Neandertaler

Eine britische Studie ergab, dass sich moderne Menschen häufiger mit Denisovanern als mit Neandertalern mischten

JOCHEN STADLER
vom 03.06.2020

Die Denisovaner, benannt nach dem Fundort eines Knochens in der Denisovahöhle, waren bis vor 52.000 Jahren in Sibirien und zuvor in Tibet daheim. Sie haben ihr Erbe in den "modernen Menschen" Homo sapiens eingebracht. Und zwar öfter als die Neandertaler, die bis vor 30.000 Jahren in Europa und Vorderasien lebten.

Dies berichtet ein Team von Wissenschaftern um Chris Tyler-Smith am Wellcome Sanger Institute im englischen Hinxton, in dem auch die Österreicherin Sabine Felkel arbeitet. Verglichen wurde das Erbgut von 929 Menschen aus vierundfünfzig unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Das Ergebnis: Heute lebende Menschen in Ozeanien tragen 2,8 Prozent Denisovaner-Erbe, Nichtafrikaner je nach Region 2,1 bis 2,4 Prozent von Neandertalern.

"Mengenmäßig gibt es also keinen wesentlichen Unterschied beim Erbgut, das Neandertaler und Denisovaner den heutigen Menschen mitgegeben haben", sagt Felkel, die momentan an der BOKU in Wien arbeitet. Die Art der Einmischung unterscheidet sich aber frappant. Die Neandertaleranteile sind so gleichmäßig im Erbgut der heutigen Menschen verteilt, dass sie wohl nur von einer einzigen Gruppe und wenigen Geschlechtsakten stammen. Die Denisovaneranteile hingegen unterscheiden sich je nach Region massiv. "Wir gehen davon aus, dass die Vorfahren heutiger Populationen mehrmals mit verschiedenen Denisovanerpopulationen interagiert haben", sagt Felkel.

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