VERBRENNUNGSKRAFTMASCHINEN

Wenn Opa und Oma künftig kreuzfahren, müssen sie nicht mehr die Luft verpesten

Am Grazer Large Engine Competence Center entsteht Österreichs größter Motorenprüfstand zum Testen eines CO2-freien Schiffmotors

WERNER STURMBERGER
vom 03.06.2020

Vor zwei Jahren startete das europaweite Projekt HyMethShip. Ziel ist die Entwicklung eines Gesamtsystems für eine emissionsfreie Hochseeschifffahrt. Im Vergleich zu herkömmlichen Antrieben ließen sich so 97 Prozent CO2 und achtzig Prozent Stickstoffoxid vermeiden.

Ermöglicht wird das durch eine Steigerung der Energieeffizienz um 45 Prozent und ein Methanol-basiertes Antriebssystem. Die vorhandene Infrastruktur muss für die Betankung von Schiffen mit Methanol nur leicht modifiziert werden. Hergestellt wird es aus CO2 und Wasserstoff, der aus Biomasse gewonnen oder mit erneuerbarer Energie produziert wird.

Am Schiff wird das Methanol reformiert: Das heißt, CO2 abspalten und den Wasserstoff zum Antrieb eines modifizierten Hubkolbenmotors einsetzen. Das zuvor abgespaltene CO2 wird am Schiff gespeichert und später im Hafen entladen. Von dort aus kann es erneut in die Methanolproduktion eingebracht werden.

Die einzelnen Komponenten des Gesamtsystems sowie das Design des Demonstrationsmodells sind bereits entwickelt. Um das System unter realen Bedingungen testen zu können, entsteht am Grazer Large Engine Competence Center einer der größten Motorenprüfstände Österreichs. Der kommerzielle Erfolg des Antriebssystems hängt aber nicht nur vom technischen Gelingen, sondern auch von politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab, etwa der Bepreisung von Kohlenstoffdioxid.

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