PSYCHOLOGIE UND PÄDAGOGIK

Lernen im Lockdown: Lehrende und Lernende

Erste Ergebnisse der Studie "Lernen unter COVID-19-Bedingungen" über die Situation von Lehrenden, Schülern und Studierenden

WERNER STURMBERGER
vom 08.07.2020

Mitte März wurde der Schulunterricht auf Homelearning umgestellt, zeitgleich wurden auch die Universitäten geschlossen. Damit hat sich der Alltag von Lehrenden und Lernenden in Österreich grundlegend verändert. Wie genau hat sich das Forschungsteam der Fakultät für Psychologie der Universität Wien unter der Leitung von Barbara Schober, Christiane Spiel und Marko Lüftenegger angesehen.

Mittlerweile liegen die Ergebnisse der Befragung der Lehrenden vor: Generell berichtet eine deutliche Mehrheit der Befragten davon, dass das Unterrichten von Zuhause gut funktioniert habe. Die Lehrenden gaben an, die eigenen digitalen Kompetenzen ebenso gesteigert zu haben wie die der Schüler. Diese hätten zudem Fortschritte beim selbstständigen und selbstorganisierten Lernen gemacht. Gleichzeitig habe sich auch die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert. Als problematisch beschreiben die Lehrenden dagegen die Möglichkeit, bereits lernschwache Schüler bzw. solche mit schlechter technischer Ausstattung ausreichend zu unterstützen. Das Homelearning würde Probleme bereits benachteiligter Schüler vergrößern. Bei ihnen wie auch bei Studierenden konnte das Forschungsteam bereits eine zweite Befragungsrunde auswerten: Das zentrale Ergebnis bei den Schülern und Schülerinnen ist eine Verbesserung der Situation: Die Aufgaben für die Schule gelingen im Vergleich zum Beginn des Homelearnings eher besser. Gleichzeitig hat sich das generelle Wohlbefinden tendenziell verbessert.

Basierend auf Hochrechnungen der Stichprobe geht das Forschungsteam allerdings auch davon aus, dass sich bei rund 70.000 Schülerinnen und Schülern die Situation verschlechtert hat. Gründe dafür sind Probleme bei der Bewältigung der Aufgaben im Homelearning, Schwierigkeiten bei der Lernorganisation und geringe Unterstützung zu Hause. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen gibt an, die Schule zu vermissen, und hier vor allem den persönlichen Kontakt. Nicht vermisst werden das frühe Aufstehen, der aufkommende Stress und die Langeweile im Unterricht, wenn, anders als beim Homelearning, nicht im eigenen Tempo gelernt werden kann.

Anders als bei den Schülerinnen und Schülern deuten die Ergebnisse bei den Studierenden daraufhin, dass sich bei etwas mehr als einem Drittel der Studierenden das Wohlbefinden und die soziale Eingebundenheit in der Zeit des Homelearnings verschlechtert haben.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Lernerfolgen: Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass ihnen Aufgaben nun schlechter gelängen. Ein Fünftel der Studierenden berichtet dagegen von mehreren und 44 Prozent von unveränderten Lernerfolgen.

Auch bei den Studierenden ist der enge Zusammenhang von psychologischen Grundbedürfnissen und persönlichem Wohlergehen deutlich: Studierende, die Lernerfolge erleben und autonom lernen, also selbst Schwerpunkte im Lernen setzen und Aufgaben nach eigenen Vorstellungen bearbeiten sowie soziale Eingebundenheit erfahren, sind auch für die aktuelle Ausnahmesituation gut gerüstet.

LERNENCOVID19.UNIVIE.AC.AT

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