HYDROBIOLOGIE

Wir graben den Fischen das Wasser ab

Man soll keine Meeresfische mehr essen, um ihren Bestand zu schonen. Aber auch für Bachforellen, Huchen und Äschen sieht es düster aus

SOPHIE HANAK
vom 08.07.2020

In Österreich wird durch Dürreperioden verursachtes Niedrigwasser immer früher im Jahr beobachtet. Um kritische Gewässerabschnitte rechtzeitig zu erkennen, wurde in Niederösterreich ein Alarmsystem aufgebaut. "Wenn sich eine Hitzewelle ankündigt, messen wir alle fünfzehn bis dreißig Minuten den aktuellen Wasserstand und die Wassertemperatur. Kommt es an einer der Messstellen zu einer für Fische gefährliche Überschreitung des Grenzwerts, geht eine Warnmeldung an die Bezirkshauptmannschaften, den Niederösterreichischen Landesfischereiverband und die vor Ort tätigen Fischereiaufseher", sagt Landesfischermeister Karl Gravogl. In der Vergangenheit konnten solche Szenarien meist durch eine freiwillige Erhöhung der Abgabe der Restwassermenge von Wasserkraftanlagen in das betroffene Fließgewässer entschärft werden. An vielen Flüssen wie der Schwechat im Helenental, die im Sommer sehr wenig Wasser führen, bestehen keine Wasserkraftanlagen. "Dort hoffen wir, dass die Fische tiefere Kolke, das sind wassergefüllte Vertiefungen im Flussbett, finden, wo sie sich erholen können." Als letzte Maßnahme vor einem drohenden Fischsterben können Notabfischungen veranlasst werden, die jedoch sehr belastend für die Fische sind.

Forellenartige Fische sind besonders gefährdet

Auch in Oberösterreich wird vermehrt Trockenheit beobachtet. "Leider kommen wir mit Trockenheit und Temperaturanstieg in den Gewässern nun jeden Sommer in Berührung, vor allem die letzten beiden Sommer waren problematisch. Gewässer wie Krems oder Pesenbach fallen abschnittsweise trocken", sagt Klaus Berg vom Oberösterreichischen Landesfischereiverband.

In solchen Situationen sind besonders die forellenartigen Fische wie Forellen, Äschen oder Saiblinge gefährdet. Sie haben einen höheren Sauerstoffbedarf als karpfenartigen Fische. Der Lebensraum dieser kälteliebenden Fischarten wird sich langfristig verringern. "Die Trockenheit führt zum Verlust von aquatischem Lebensraum, die Sauerstoffverfügbarkeit ist geringer, auch wird der Ausbruch von Fischkrankheiten wie der Proliferativen Nierenkrankheit begünstigt", erklärt Klaus Berg. "In den Uferbereichen wird meist zu stark gerodet, und fehlendes Ufergehölz lässt die Wassertemperatur steigen. Durch eine Erhöhung der Beschattung könnte die Wassertemperatur um bis zu zwei Grad Celsius reduziert werden. Auch die Wiederanbindung kühlerer Zuflüsse an die Hauptgewässer ist eine wirksame Möglichkeit."

Dieser Meinung ist auch Florian Borgwardt vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU Wien. "Wichtig sind Retentionsflächen im Umland der Gewässer wie etwa Feuchtwiesen oder Auwälder. Sie halten Wasser zurück, damit die Landschaft es allmählich wie ein Schwamm aufnehmen kann. Das hilft im Hochwasserfall, aber auch um Dürren entgegenzuwirken. Viele solcher Flächen sind heutzutage drainiert und trockengelegt, um sie etwa landwirtschaftlich nutzen zu können." Je homogener und begradigter ein Fluss ist, desto kleiner und schlechter eignet er sich als Lebensraum für Fische. Eine zusätzliche Belastung wie Erwärmung oder deutlich weniger Abfluss kann den Fischbestand zusätzlich negativ beeinflussen.

"Ein großes Problem ist, dass die hydrologischen Vorhersagen hinsichtlich der Wassermengen in den Gewässern mit großen Unsicherheiten daherkommen und die Modelle nicht eindeutig sind", erklärt Borgwardt. "Persönlich bin ich der Meinung, dass das Thema derzeit unterschätzt wird.

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