JUNGFORSCHERINNEN

Das Hertha-Firnberg-Programm

Das Hertha-Firnberg-Programm des Wissenschaftsfonds FWF fördert exzellente Nachwuchswissenschafterinnen. Auch diese drei realisieren damit ihr Postdoc-Projekt

USCHI SORZ
vom 21.10.2020

Agnes Dellinger, 31, Dep. f. Botanik u. Biodiversitätsforschung, Universität Wien Feldforschung im Dschungel, Laborarbeit, Datenanalyse, Tagungsreisen, Schreiben: "Ich verwirkliche meinen Lebenstraum", erklärt die Niederösterreicherin, "ich wollte immer schon Biologin werden". Ihr Spezialgebiet ist die Bestäubung. Für ihre Masterarbeit hat sie das komplexe Vogelbestäubungssystem des neotropischen Baums Axinaea erforscht und das Thema in ihrer Dissertation vertieft. Nun dreht sich ihr Hertha-Firnberg-Projekt um etwa 300 Arten von Schwarzmundgewächsen im tropischen Südamerika. "Die meisten davon bestäuben Bienen, doch in den Anden kam es auch zu Bestäuberwechseln auf Kolibris, Fledermäuse oder Mäuse." Dellinger untersucht, inwieweit die unterschiedlichen Bestäuber zur Entstehung neuer Arten und zu Anpassungen an klimatische Faktoren beitragen.

Jennifer Zwicker, 39, Inst. f. Mineralogie u. Kristallografie, Universität Wien "Ich bin Wissenschafterin aus Überzeugung", definiert sich die Geologin, "und möchte dazu beitragen, dass die Umweltsituation erträglich bleibt". Vor allem aus den Interaktionen zwischen Geologie und Biologie könne man viel lernen und die Erde besser verstehen. In ihrem Projekt konzentriert sie sich auf Archaeen, also Mikroorganismen, die ihren Stoffwechsel ohne Sauerstoff und unabhängig von Sonnenlicht betreiben. "Archaeen sind die einzigen bekannten Organismen, die Methan produzieren können." Zwicker interessiert deren Rolle bei der Gesteinsbildung, speziell an Magnesiumkarbonaten. "Ich möchte herausfinden, ob sie an der Entstehung von Magnesitlagerstätten beteiligt sind und durch Magnesitbildung die Speicherung und Abscheidung von atmosphärischem CO2 beschleunigen könnten."

Brigitte Holzer, 34, Inst. f. Angewandte Synthesechemie, TU Wien Jede unserer Zellen wird durch eine Membran nach außen abgegrenzt. Die in diese eingebauten Proteine steuern den Transport von Molekülen in die Zelle und aus der Zelle heraus. Um diese Transportfunktion besser zu verstehen, entwickelt Holzer künstliche Membranen. "Bisherige Modellsysteme lieferten kein gutes Abbild einer natürlichen Zellmembran, da die Beweglichkeit der einzelnen Membranlipide eingeschränkt ist." Ihr Ansatz: Sie platziert passende Moleküle auf eine Goldoberfläche und sorgt damit für die nötige Beweglichkeit und Stabilität. "Synthetische Membranen ermöglichen Grundlagenforschung zu natürlichen Protein-Lipid-Interaktionen, nützen aber auch der Entwicklung pharmazeutischer Screenings und proteinbasierter bioelektronischer Systeme."

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