EDITORIAL

Schularbeit

CHRISTIAN ZILLNER
vom 21.10.2020

Wir sollen in die Schule gehen, um etwas zu lernen. Zuvor haben wir von denen gelernt, die wir mögen: den Eltern, den Großeltern, den Freundinnen und Freunden. Offenbar ist es nötig, dass wir jemanden mögen, um bereit zu sein, von ihr oder ihm etwas zu lernen. Andernfalls ignorieren wir, was sie oder er uns sagen will.

In der Schule soll es nun anders sein. Dort gebe es einen Lernstoff, den wir in uns aufsaugen wollen, weil er so wichtig und interessant ist. Aha. Wenn er uns nicht interessiert, bekommen wir schlechte Noten. Auch interessant.

Die Eltern, Großeltern und Freunde haben uns damals nicht gefragt, ob uns interessiert, was sie uns lehren. Trotzdem haben wir ihnen meistens zugehört und sehr viel von dem übernommen, was sie uns über die Welt erzählt haben.

Warum sollten wir das in der Schule nicht auch so machen? Ob die Leistung eines BMW oder Algebra, gegen den Stoff haben wir nichts. Man muss uns nur dafür begeistern. Aber nicht dadurch, dass man uns erklärt, wie wichtig der sei, besonders für ein Leben nach dem Knast, pardon, nach der Schule. Wir brauchen dort keine Experten oder Superkluge. Nur Menschen, die uns begeistern.

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