BRIEF AUS BRÜSSEL

Besseres Essen

EMILY WALTON
vom 04.11.2020

Herr und Frau Österreicher sind zu dick, jedenfalls die Hälfte von ihnen. Das sage nicht ich, sondern Eurostat: Laut der EU-Statistikbehörde ergab die jüngste Erhebung (Zahlen von 2017), dass exakt fünfzig Prozent aller Österreicher über 18 Jahre übergewichtig sind, einen Body Mass Index (BMI) von 25 oder mehr haben und damit in die Kategorie "Vorstufe zur Fettleibigkeit"(BMI von 25 bis 30) und "Fettleibigkeit"(ab einem BMI von 30) fallen. Letzteres betrifft hierzulande 15 Prozent der Erwachsenen.

Damit liegt Österreich im EUweiten Vergleich, den Eurostat angestellt hat, knapp unter dem europäischen Durchschnitt von 52 Prozent, aber noch einige saftige Schnitzel entfernt von Ländern wie Kroatien, Finnland, Tschechien oder Rumänien, wo jeweils mehr als sechzig Prozent der Bevölkerung über 18 Jahren als übergewichtig eingestuft werden.

Angesichts dieser Zahlen wird auch von Brüssel aus immer wieder der Kampf gegen das Übergewicht ausgerufen. Zu den aktuellen Projekten zählt etwa Stratification of Obese Phenotypes to Optimize Future Obesity Therapy -das schlankere Akronym lautet "Sophia". Das Projekt wird u. a. von der EU-Kommission gefördert und verfügt über ein Budget von rund 16 Millionen Euro. Das Ziel der Forschung: Ärzte sollen gesundheitliche Probleme, die sich aufgrund von Fettleibigkeit entwickeln, frühzeitig prognostizieren und auch erkennen können, welche Patienten auf eine Behandlung ansprechen würden.

950.000 Todesfälle, heißt es seitens der Brüsseler Behörde, waren Schätzungen zufolge im Jahr 2017 auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Um Ernährung und Gesundheit für alle zu verbessern, hat die EU-Kommission heuer eine umfassende Strategie für ein "gesünderes und nachhaltigeres EU-Lebensmittelsystem" vorgelegt: Unter dem Titel "Vom Hof auf den Tisch" ("From Farm to Fork") soll bis zum Jahr 2030 unter anderem der Einsatz von Pestiziden halbiert werden, ebenso jener von Antibiotika in der Viehzucht. Ebenfalls bis zum Jahr 2030 soll ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in der EU ökologisch bewirtschaftet werden.

Ein Mittel von vielen, das die Kommission anstrebt, ist die Verbesserung der Kennzeichnung, wie gesund bzw. nachhaltig Lebensmittel sind. Zu etwas Ungesundem kann man ja dann noch immer greifen - nur wissen soll man es eben.

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