MATERIALWISSENSCHAFT

Die Holzuhr -eine neue Methode, um das Alter von Holzresten zu bestimmen

Mittels Chemie kann man die Herkunftszeit von Holzbalken und alten Baumstämmen im archäologischen Umfeld besser bestimmen

JOCHEN STADLER
vom 04.11.2020

Der chemische Zahn der Zeit nagt an allem, egal, ob es lebt oder tot ist. Er kiefelt mit einer Beständigkeit, dass man ihn als "molekulare Uhr" verwenden kann, um das Alter von Holz mit archäologischem oder historischem Hintergrund zu bestimmen, erläutern Johannes Tintner-Olifiers vom Institut für Physik und Materialwissenschaften der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien und Kollegen im Fachjournal Scientific Reports.

Die Ziffern dieser molekularen Uhr sind die chemischen Seitenketten von Hemizellulose. "Das ist quasi ein Kitt, der Holzstoff und Zellstoff verbindet", sagt Tintner-Olifiers. Dieses Ästelwerk an Hemizellulose-Seitenketten wird vor allem von Sauerstoff und Wasserstoff-Ionen (Protonen) attackiert und bricht mit der Zeit zu immer kürzeren Stummeln ab. "Ihren Zustand kann man mithilfe von Infrarotspektroskopie rasch und unkompliziert bestimmen", so der Forscher.

Mit Kollegen hat er bei bis zu 7.500 Jahre altem Kiefernholz aus Europa von der Arktis bis nach Österreich die Anteile der Hemizellulose und die Mengen ihrer Seitenketten bestimmt und damit die molekulare Uhr des chemischen Holzverfalls geeicht. Mit ihr sei es nun möglich, die Herkunftszeit von Holzbalken in Bauwerken, prähistorischen Siedlungsresten und Baumstämmen in Seen zu datieren. Sie sollte auch bei altem Stroh, Papier und Pergament funktionieren.

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