Ein globales Phänomen

Demenz betrifft mittlerweile rund fünfzig Millionen Menschen weltweit

TEXT & GRAFIK: SANDRA TIETSCHER
vom 31.03.2021

Alle drei Sekunden wird bei weltweit einem Menschen Demenz diagnostiziert. Insgesamt zählt man derzeit rund fünfzig Millionen Betroffene (das entspricht der Bevölkerungszahl Spaniens) und verleiht dem Thema globale Priorität im Gesundheitsbereich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formulierte in ihrem 2017 veröffentlichten "Globalen Aktionsplan für Demenz" sieben Hauptziele, darunter die Steigerung des öffentlichen Bewusstseins für die Krankheit, eine gezielte Risikoreduktion und die Verbesserung von Diagnose, Behandlung und Pflege.

Leicht zu erreichen sind diese Ziele nicht: Bei einer Befragung von 70.000 Menschen in 155 Ländern im Zuge des Welt-Alzheimer-Reports 2019 waren zwei Drittel der Befragten überzeugt, Demenz gehöre zum normalen Alterungsprozess, sei aber keine Krankheit. Ein Viertel glaubte nicht, man könne sein Demenzrisiko reduzieren, und 35 Prozent der Pflegenden hatten die Demenzdiagnose eines Familienmitglieds vor mindestens einer Person geheim gehalten.

Nationale Demenzpläne zur Verbesserung der Situation

Eine laute Stimme im Kampf um bessere Bedingungen für Betroffene und Pflegende ist Alzheimer's Disease International (ADI), der internationale Verband aller nationaler Alzheimer-und Demenzvereinigungen. ADI gibt den jährlichen Welt-Alzheimer-Report heraus und arbeitet gemeinsam mit Regierungen an der Entwicklung nationaler Demenzpläne. Diese Pläne können je nach Land sehr unterschiedlich aussehen, haben aber das gemeinsame Ziel, die Lebensqualität von Betroffenen, Angehörigen und Pflegenden systematisch zu verbessern.

Dazu sind in den Plänen Strategien beschrieben, um den Diagnoseprozess zu verbessern, oder es wird festgelegt, welche Dienste für Betroffene zugänglich sein sollten. "Es gibt eine Reihe von Vorzeige-Ländern, vor allem solche, die bereits einen zweiten, dritten oder sogar vierten nationalen Demenzplan entwickelt haben und dabei aus vergangenen Fehlern, aber auch voneinander gelernt haben, dazu gehören etwa Südkorea und England", sagt Paola Barbarino, Leiterin von ADI.

Gerade einkommensschwache Regionen, für die ein starker Anstieg an Demenzerkrankungen für die nächsten Jahre prognostiziert wird (siehe Infografik), haben häufig noch gar keine Pläne. "Im Moment gibt es 35 nationale Pläne, weit von dem WHO-definierten Ziel von 146 (für das Jahr 2025) entfernt. Aber wir erwarten mit Hoffnung den Start des ersten afrikanischen Subsahara-Plans in diesem Jahr", so Barbarino. Ermutigend sei auch, dass mit China, der Dominikanischen Republik, Deutschland und Island sogar während der Covid-19-Pandemie einige Länder ihre Demenzpläne umsetzen konnten.

Todesrate in der Pandemie bei Demenzkranken erhöht

Die Auswirkungen der Pandemie auf Demenzerkrankte sind besonders groß, vor allem wegen der Assoziation beider Krankheiten mit einem erhöhten Alter.

Dies spiegelt sich in den Sterberaten vieler Länder: In Italien machen Demenzerkrankte zwanzig Prozent aller mit Covid-19 Verstorbenen aus, in Großbritannien sind es 26 Prozent und in Australien sogar 45 Prozent.

Barbarino weist auf weitere Probleme hin: "Wir sind sehr besorgt über neueste Daten, die eine Unterbrechung der Diagnosestellungen und kognitive Verschlechterungen aufgrund sozialer Isolation zeigen. Weltweit stehen soziale Dienste vor der Herausforderung, ihre Unterstützung virtuell zu liefern."

Außer dem Fokus auf die Pandemiereaktion arbeitet ADI derzeit bereits an den nächsten globalen Alzheimer-Reporten zu den Themen Diagnose (Report 2021) und Unterstützung nach der Diagnose (Report 2022).

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