BILDUNGSPOLITIK

Kein Sommer wie damals

Ende Februar wurden Pläne für das Sommersemester 2021 präsentiert. Neben Prüfungen erwarten die Studierenden auch regelmäßige Corona-Tests

WERNER STURMBERGER
vom 31.03.2021

"Wir befürchten, eine ganze Kohorte an jungen Menschen, die nicht ins Studium hineinfinden und frustriert sind, zu verlieren", warnte Sabine Seidler, Vorsitzende der Universitätenkonferenz im Herbst des Vorjahres. Erstsemestrige hatten bislang kaum Gelegenheit, an der Universität anzukommen, einige kennen sie als physischen Ort nur vom Inskribieren. Doch auch ältere Semester leiden unter der Situation: Laut einer Onlineumfrage des Peter-Hayek-Instituts im Februar dieses Jahres erlebt eine Mehrheit der Befragten den virtuellen universitären Alltag trotz Verbesserungen des Lehrangebots als belastend.

Linderung verspricht der Fahrplan für das Sommersemester. Covid-19- Tests sollen die Möglichkeit für mehr Präsenz schaffen, damit die Hochschulen in eingeschränktem Maß wieder als physische und soziale Orte erlebbar werden. Wie beim Friseur soll nur hineindürfen, wer einen negativen Test vorweisen kann. Entwicklung und Umsetzung von Teststrategien obliegen dabei den Hochschulen. Eine Million Euro hat das Ministerium dafür vorgesehen. - Ein Betrag, den Uniko-Präsidentin Seidler Anfang Februar als "einen Tropfen auf dem heißen Stein" beschrieb.

Zwar fehlt im Moment noch die rechtliche Basis für solche Zutrittstests, sie wird aber -rückwirkend -mit der geplanten UG-Novelle geschaffen werden. Der Startschuss für Präsenzveranstaltungen soll in der zweiten Aprilwoche fallen. Bis dahin muss die Novelle den Nationalrat passiert haben. Ob die Pläne des Ministeriums umgesetzt werden können, hängt aber letztlich von der Entwicklung des Infektionsgeschehens ab. Es ist also eine Öffnung mit Fragezeichen und unter Vorbehalt.

Die Öffnung der Universitäten hängt vom Infektionsgeschehen ab

Eine rasche Rückkehr zum Status quo ante -dauerhafte Präsenzlehre für alle Studierenden und Massenvorlesungen - wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Für den Lehr-und Prüfungsbetrieb in diesem Sommersemester heißt das: Alles, was online machbar ist, soll virtuell stattfinden. Die eigenen vier Wände sollen nur bei "Lehrveranstaltungen und Prüfungen, die nach fachlichen oder didaktischen Gesichtspunkten in Präsenz abgehalten werden sollten", verlassen werden, so der Leitfaden des Ministeriums.

Darunter können Laborübungen oder auch künstlerische Seminare fallen, für die die Präsenz von Lehrenden und Studierenden notwendig ist, eventuell auch Blocklehrveranstaltungen. Studierende am Beginn und am Ende ihres Studiums sollen dabei bevorzugt behandelt werden: etwa in der Studieneingangs-und Orientierungsphase, aber auch bei Kursen und Seminaren für die Erstellung von Abschlussarbeiten.

Mehr Augenmerk auf und Hilfe bei psychischen Belastungen

Da Distance-Learning weiterhin an der Tagesordnung steht, ruft das Ministerium Fachhochschulen und Universitäten dazu auf, Prüfungen nicht auf unbestimmte Zeit zu verschieben sowie unverhältnismäßig umfangreiche Hausarbeiten und zu hohen Zeitdruck bei digitalen Prüfungen zu vermeiden. Abhilfe bei psychischen Belastungen verspricht man sich auch vom Ausbau der psychologischen Studierendenberatung. Fünfzehn zusätzliche Stellen sollen dafür sorgen, den im Vorjahr um ein Viertel gestiegenen Bedarf an Beratungen zu bewältigen.

Eine generelle Verbesserung der Lernsituation erhofft man sich auch durch das Öffnen von Bibliotheken, Lesesälen und Lernzonen sowie von ungenutzten Hörsälen. Seit Ende Februar können etwa an der Universität Wien Lernzonen, Lesesäle und Computerräume nach vorheriger Anmeldung in begrenztem Ausmaß genutzt werden.

Covid-19-Testungen werden zwar empfohlen, aber nicht vorgeschrieben, da dafür noch die rechtliche Handhabe fehlt. Für das Lehrpersonal und die Studierenden in den Labors besteht ein Testangebot auf freiwilliger Basis. Im Laufe des Semesters sollen die Tests ausgeweitet werden. An eine Rückkehr zum Normalbetrieb ist aber auch für Rektor Heinz Engl von der Universität Wien nicht zu denken: "Ich glaube nicht, dass wir im Sommersemester im Audimax Lehrveranstaltungen halten können. Aber wir hoffen auf Seminare, kleinere Workshops und Interna wie Sitzungen von Berufungskommissionen."

Nicht nur in Wien rechnet man mit einem virtuellen Sommersemester: "Die TU Graz hält für das Sommersemester 2021, der anhaltenden Pandemie geschuldet, an einem weitgehend digitalen Semester fest", sagt Rektor Harald Kainz. Der für Studierenden und Lehrenden fordernden Situation begegne man mit technischen und pädagogischen Verbesserungen der Onlinelehre, die sehr gut angenommen werde. Die Sehnsucht nach einem Sommersemester wie damals dürfte trotzdem groß sein. Aber die Pandemie werde das Lernen an den Hochschulen verändern, meint Kainz: "Was uns bleiben wird, sind digitale Kompetenzen, die durch die Kombination von virtueller Lehre und analogen Formaten neue Dimension der Lehre ermöglichen."

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