FORSCHUNGSFÖRDERUNG

Österreichische Forschungspolitik in Zeiten der Pandemie

Die Bundesregierung schafft mit der Strategie für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) 2030 eine neue Grundlage für die Forschungspolitik

DIETER HÖNIG
vom 31.03.2021

Seit über einem Jahr hält die Covid-19- Pandemie die Welt in Atem -mit gravierenden Folgen. "Wir erleben die einschneidendste Zäsur seit 1945. Das betrifft auch den Bereich Forschung und Entwicklung", erklärt Ludovit Garzik, Geschäftsführer des Rats für Forschung und Technologieentwicklung.

"Zwar hat die Pandemie einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, welch zentrale Bedeutung der Wissenschaft und der Forschung zukommt. Gleichzeitig aber haben Firmen infolge des ökonomischen Einbruchs begonnen, ihre F&E-Ausgaben zu senken. Zudem macht die als Folge sozialer und wirtschaftlicher Hilfsprogramme hohe Staatsverschuldung auf längere Zeit hinaus Sparpakete notwendig, sodass auch die staatlichen F&E-Budgets stark eingeschränkt werden könnten", befürchtet Garzik. "Sollte dies eintreten, drohen schwerwiegende Auswirkungen auf die Forschung selbst, aber auch auf Wirtschaft und Gesellschaft. Die Folgen wären ein eingeschränktes Wachstumspotenzial sowie wesentlich geringere Problemlösungskapazitäten, vor allem beim Klimawandel, einer im Vergleich zur Corona-Krise noch komplexeren und fundamentaleren Herausforderung."

Angesichts dieser Situation sei es umso positiver, dass die Bundesregierung jüngst mit der Verabschiedung ihrer FTI-Strategie 2030 eine neue strategische Grundlage für die Forschungspolitik geschaffen hat.

Die darin festgelegten strategischen Zielsetzungen, die nachhaltiges Wachstum und verstärkte Resilienz des gesamten Wirtschaftssystems sichern sollen, definieren gleichzeitig die drei Handlungsfelder: a) zur internationalen Spitze aufschließen und den FTI-Standort Österreich stärken, b) auf Exzellenz fokussieren, c) auf Wissen, Talente und Fertigkeiten setzen. Der ebenfalls beschlossene FTI-Pakt bringe auch mehr Planungssicherheit vorerst für die Jahre 2021 bis 2023.

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung definiert sechs Arbeitsschwerpunkte, welche die wesentlichsten Herausforderungen für das österreichische FTI-System adressieren:

Bildung: Welches Bildungssystem wird benötigt, um die Gesellschaft mit dem in Zukunft erforderlichen Wissen und den nötigen Skills und Kompetenzen auszustatten?

Hochschulen der Zukunft: Wie lässt sich das innovative Potenzial der Hochschulen steigern, und welche Rolle muss die Digitalisierung dabei spielen?

Grundlagenforschung, Wettbewerbsfähigkeit: Wie können Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft optimiert und damit Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum innovativer Unternehmen gesteigert werden?

Missionsorientierung von FTI: Wie können FTI-Aktivitäten mehr als bisher zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, insbesondere des Klimawandels, genutzt werden?

Technologiesouveränität: Wie lässt sich sicherstellen, dass Österreich und die EU die für ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Wohlfahrt zentralen Technologien selbst entwickeln können?

Internationalisierung: Wie kann die Internationalisierung Österreichs im Bereich F&E ausgebaut werden?

"Mit der Beantwortung all dieser Fragen unterstützen wir die Umsetzung der FTI-Strategie 2030 der Bundesregierung mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung des Forschungsstandorts Österreich", untermauert Ludovit Garzik das Vorhaben.

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