KUNSTGESCHICHTE

"Verschimpfungsallianzen" heimischer Kulturjournalistik gegen die Avantgarde

Die avantgardistische Kunst verebbte in Österreich ab den 1920er Jahren. Eine Studie sucht nach den Gründen dafür

SOPHIE HANAK
vom 31.03.2021

Nach dem Ersten Weltkrieg stand in Wien die Avantgarde in der Kunst in voller Blüte. Anfang der 1920er Jahre wurde es jedoch still um diese künstlerische Bewegung, viele ihrer Protagonisten und Protagonistinnen emigrierten. Doch wie kam es dazu? Maximilian Kaiser, Kunsthistoriker an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, hat in einer neuen Studie untersucht, wie weit die Kunstkritiker der damaligen deutschösterreichischen Presse daran beteiligt waren.

"Zuerst musste ich relevante Zeitungsartikel finden und habe in den Archiven und Tiefenspeichern der Wiener Bibliotheken alle Mikrofilme durchforscht. "Es war eine Sisyphusarbeit, doch letztendlich fand ich 300 passende Artikel aus den Jahren 1918 bis 1926", erzählt Kaiser. "Die Studie bezieht sich auf Künstlervereine wie die Wiener Secession, den Hagenbund, den Kinetismus und andere Künstlergruppen." Ziel der Studie war die Erstellung eines Diskursnetzwerkes.

Eine Vorkämpferin für die Secession war etwa die Journalistin Berta Zuckerkandl, die für die Wiener Allgemeine Zeitung und das Neue Wiener Journal schrieb. Kaiser zeigt in seiner Studie, dass der nach 1924 spürbar stärker werdende Widerstand gegen die Kunst der Avantgarde sich nicht nur in den Rezensionen niederschlug, sondern auch dazu führte, dass eine Mehrheit der Kritikerschaft "Verschimpfungsallianzen" bildete, wie es Zuckerkandl formulierte. Die damaligen Vorurteile haben sich in Österreich lange gehalten.

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