BOTANIK

Warum es für Blattzellen richtig war, im Lauf der Kreidezeit zu schrumpfen

Kleiner Blattzellen können das für Pflanzen lebenswichtige CO2 besser aufnehmen als größere Exemplare

JOCHEN STADLER
vom 31.03.2021

In der Kreidezeit wurden Pflanzenzellen miniaturisiert, berichten Wiener Botaniker. Damals war die CO2 Konzentration in der Luft sehr niedrig, Pflanzen taten sich schwer, genügend davon aufzunehmen. Sie brauchen CO2, um es durch Photosynthese zu Zuckerstoffen (Kohlenhydrate) zu verwerten und dadurch zu wachsen. Diese Miniaturisierung machte es ihnen möglich, CO2 schneller aufzunehmen und weiterzuleiten, schreiben die Forscher im Fachjournal Proceedings B der britischen Royal Society.

Ein Team um Guillaume Théroux-Rancourt vom Institut für Botanik der Universität für Bodenkultur Wien inspizierte die Blätter von 86 Gefäßpflanzen. Die Forscher haben sie dem Grünzeug in Gewächshäusern, botanischen Gärten, auf Feldern und in der Natur abgezupft. Sie haben gemessen und mit Computermodellen errechnet, unter welchen Bedingungen CO2 am raschesten transportiert wird: Am besten funktioniert es mit vielen kleinen Zellen, erklären die Botaniker. Diese haben nämlich viel mehr Oberfläche als wenige große Zellen. An den Zelloberflächen wird CO2 schneller weiterbefördert als durch das Zellinnere und somit wird der Transport effektiver.

Die Zellen konnten aber nur schrumpfen, indem sie den Erbguttext strafften, also quasi in ihrer Bauanleitungsbibliothek ausmisteten. Eine riesige, überfüllte Bibliothek als Erbgut hätte dies unmöglich gemacht.

Mehr aus diesem HEUREKA

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!