ÖKOLOGIE

Zum Weinen: Auch trockene Böden emittieren klimaschädliches Lachgas

Lachgas wirkt um dreihundert Mal stärker als Kohlendioxid in der Atmosphäre. Der Klimawandel wird es künftig vermehrt entstehen lassen

JOCHEN STADLER
vom 31.03.2021

Bisher glaubte man, dass das Lachgas N2O vor allem bei Feuchtigkeit entsteht und in die Atmosphäre gelangt, wo es dreihundert Mal stärker wirkt als CO2. Bei Trockenheit hätte vor allem für Pflanzen wichtiges Nitrat entstehen sollen. Tiroler Forscher mussten jedoch mitansehen, dass auch trockene Böden viel Lachgas produzieren. Das sollte in Klimamodellen einberechnet werden, fordern sie im Fachmagazin Science Advances.

Eliza Harris und Michael Bahn vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck haben mit Kollegen und Kolleginnen auf der Kaserstattalm im Stubaital Bodenblöcke aus der Wiese ausgestochen und sie den klimatischen Bedingungen ausgesetzt, die dort in Zukunft herrschen werden: Extreme Trockenheit mit anschließender Nässe. "Entgegen unseren Erwartungen hat auch in sehr trockenen Böden der Abbau von Nitrat zu Lachgas und molekularem Stickstoff durch spezielle Mikroorganismen dominiert", so die Forschenden. Laut Lehrmeinung sollte es umgekehrt sein: Bei Trockenheit sollte vorwiegend Nitrat entstehen, das die Pflanzen in energiereiche Eiweißstoffe umwandeln, und nicht Nitrat zum klimaschädlichen Lachgas abgebaut werden. Dafür sind wohl Mikroorganismen mit wenig erforschten Stoffwechselwegen, nämlich den sogenannten Chemo-und Codenitrifikationswegen, verantwortlich. Am stärksten waren die Emissionen bei der Wiederbefeuchtung nach extremer Trockenheit.

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