ARCHÄOBOTANIK

Convenience Food auf Gemüsebasis für bronzezeitliche Bergleute

Schinken und Getreidebrei: Archäobotanische Analysen zeigen, wie Arbeiter in bronzezeitlichen Kupferbergwerken versorgt wurden

MARTINA NOTHNAGEL
vom 28.04.2021

Bergleute, Schmelzer und Gießer waren keine simplen Nebenerwerbsbauern. Die Arbeit im Bergwerk und der Metallurgie war bereits in der Bronzezeit hochspezialisierte Arbeit. Das wiederum bedeutet: Die Arbeiter mussten von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Eine Zulieferung von tierischer Nahrung ist für unterschiedliche Bergbaustätten seit Längerem gut belegt. Die Bergleute in Hallstatt beispielsweise wurden mit in Massen produziertem Schinken beliefert. Dem Archäobotaniker Andreas G. Heiss vom Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW und seinem Team ist es nun gelungen, die Zulieferung auch von pflanzlichen Produkten in der spätbronzezeitlichen Kupfermine (11. bis 9. Jh. v. Ch.) von Prigglitz-Gasteil bei Gloggnitz in Niederösterreich zu belegen. "Was man in der Forschung schon länger vermutet hat, konnten wir mithilfe neuester Methoden und Technologien bestätigen", erklärt der Wissenschafter.

Eine Rasterelektronenmikroskop- Analyse der in Prigglitz gefundenen Pflanzen-und Speisereste zeigt: Den Bergleuten wurde gereinigtes, küchenfertiges Getreide geliefert. Außerdem Mehl und vermutlich auch vorgekochter, essfertiger Brei aus Gerste und Hirse. "Convenience Food", sagt Heiss. "Arbeitsteilung und Essensversorgung funktionierten im Prinzip genauso, wie wir es heute aus unserer hocharbeitsteiligen Gesellschaft kennen."

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