GASTKOMMENTAR

FWF: Bei der Förderung noch stärker auf Erfolgsfaktoren setzen

CHRISTOF GATTRINGER
vom 28.04.2021

In der Krise zeigt sich, worauf es ankommt. Wissenschaft und Forschung zählen dazu. Ohne dem Erkenntnisgewinn, den Tausende Forscherinnen und Forscher in aller Welt, auch in Österreich, vorantreiben, würde die Covid-Pandemie wohl noch dramatischere Ausmaße annehmen, als dies ohnedies der Fall ist.

Der Wissenschaft kommt seit Monaten besonders viel Aufmerksamkeit, aber auch Verantwortung zu, wissenschaftliche Expertise ist gefragt. Besonders im Rampenlicht steht die Entwicklung von Impfstoffen im Rekordtempo. Die Verfügbarkeit von ersten Vakzinen nach weniger als einem Jahr und der signifikante Rückgang der Infektionen bei den bereits geimpften Menschen sind ein Triumph der Wissenschaft. Ihr Erfolg beruht zu einem großen Teil auf jahrzehntelanger, öffentlich finanzierter und frei verfügbarer Grundlagenforschung. Die aktuelle Forschung setzt hier an.

"Wir haben das geschafft, weil wir seit vielen Jahren in einem Team von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern aus 60 Ländern an diesem Thema arbeiten. Sie waren darauf vorbereitet, mit ihren Forschungsleistungen und Expertisen genau in dieser Situation schnell zu reagieren", beschreiben die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin die Erfolgsfaktoren hinter der Impfstoff-Revolution. Beide kommen aus der universitären Forschung und sind nach wie vor an der Universität Mainz tätig.

Thematisch offen, viel Freiraum in der Finanzierung, ein Fokus auf die Förderung von jungen Forschenden sowie der Ausbau internationaler Kooperation sind die Erfolgsfaktoren, auf die auch der Wissenschaftsfonds FWF seit Jahrzehnten setzt und in Zukunft noch stärker setzen wird, um die Rahmenbedingungen für die österreichische Grundlagenforschung weiter zu verbessern.

Mit excellent=austria, der Exzellenzinitiative für die Grundlagenforschung, schlägt der FWF 2021 ein neues Kapitel in der Forschungsförderung auf. Dotiert mit 150 Millionen Euro in den ersten drei Jahren, bietet die Förderoffensive Forschenden Perspektiven und Freiraum, um auf dem Niveau der weltweit besten in Österreich forschen zu können.

Allerdings trübt das Auslaufen der Fördermittel der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung den Ausblick. Allein beim FWF fallen Förderprogramme von 25 Millionen Euro jährlich weg. Besonders schmerzlich ist der Einschnitt bei den Nachwuchsprogrammen für Doktorand*innen und Postdocs in der Frühphase ihrer wissenschaftlichen Karriere. Wie viele Akteure in Wissenschaft und Forschung appelliere auch ich im Sinne der Forschenden an die Bundesregierung, schnell eine ausreichend dotierte Nachfolgefinanzierung zu beschließen. So könnte der FWF in diesem Bereich die angezogene Handbremse wieder lösen und dem kreativen Potenzial von morgen eine Karriereperspektive in der Grundlagenforschung eröffnen.

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