WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

EMPFEHLUNGEN VON ERICH KLEIN
vom 28.04.2021

Barbara Frischmuth: Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen. Residenz Verlag 2021

Die Schriftstellerin, lange mit Gärtnern befasst, bevor es Bobo-Mode wurde, versucht der Natur in Essayform beizukommen. Begriffe werden geklärt (Natur von "nascis" - geboren werden), wo liegt der Ursprung der Sprache, wird gefragt. Warum miauen Katzen in Wildnis selten und im Kontakt mit Menschen ständig? Vom Bären-Kult arktischer Völker und deren Recycling-Kultur ist die Rede, von Biologie und Geologie. Der "Naturvertrag" des Michel Serres kommt zu Wort und Bruno Latours "Gaia", zuletzt eine alte Weisheit: Die Erde gehört uns nicht.

Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen. Barbara Frischmuth, Residenz Verlag 2021

Konrad Paul Liessmann: Alle Lust will Ewigkeit. Mitternächtliche Versuchungen Zsolnay 2021

Worin besteht eigentlich die Qualität von Nietzsches Also sprach Zarathustra im Vergleich zu Hegels Philosophie oder zu Hölderlins Dichtung?, fragte Karl Löwiths einst provokant. Liessmanns Mitternächtliche Versuchungen gibt eine ekstatisch positive Antwort. Jede Zeile des schillernden Mitternachtslieds ("O Mensch! Gib acht!") wird in jeweils einem Kapitel extensiv interpretiert; Nietzsches zentrale Ideen in Analysen von Sexualität, Wachen, Schlaf, Mitleid und Schmerz eingebunden. Auch Richard Strauß und Gustav-Mahler kommen zu Wort.

Alle Lust will Ewigkeit. Konrad Paul Liessmann, Zsolnay Verlag 2021

Monika Czernin: Der Kaiser reist inkognito. Joseph II. und das Europa der Aufklärung Penguin 2021

Für Josef II. war Reisen das Mittel, um das Ancien Regime zu reformieren. Anonym, als Graf von Falkenstein, legte er fünfzigtausend Kilometer zurück. Der Dreiundzwanzigjährigen begibt sich nach Frankfurt zu seiner Krönung zum römisch-deutschen Kaiser, es folgen acht weitere exemplarische Fahrten: um die Armut der Kolonisten im Banat in Augenschein zu nehmen, zum römischen Papst, in Paris trifft er die Aufklärer. Ein mephistophelischer Pakt mit der Zarin auf der Krim 1787 verpflichtet ihn zum Krieg mit den Osmanen, in dem er stirbt.

Der Kaiser reist inkognito | Monika Czernin, Penguin 2021 (bic-media.com)

Franz Schuh: Lachen und Sterben Zsolnay 2021

Während eines Krankenhausaufenthaltes schreibt Franz Schuh ein Gedicht über seinen Wintermantel, den er immer zu groß kaufe, weil er ihm ohnedies bald immer zu klein sei. Den Mantel brauche er jetzt nicht -der Tod, der ihn immer schon interessierte, interessiert sich für ihn. Essays, Reden und Gedichte über den Ernst der Lage, Wiener Schäh, Misanthropie als Quelle der Kunst, Nestroy, Canetti und Kraus, Heinz Conrads, Qualtinger und Kierkegaard. Große Essays über Eitelkeit und Einsamkeit. "Todesengel. Ein Lesetheater" endet mit dem Wort "Schluss".

Lachen und Sterben. Franz Schuh, Zsolnay Verlag 2021

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