SPITZENFORSCHUNGSFÖRDERUNG

excellent=austria für mehr Spitzenforschung

Wie ist es um Spitzenforschung in Österreich bestellt ist und warum es eine neue Initiative braucht, erklärt FWF-Präsident Christoph Gattringer

WERNER STURMBERGER
vom 26.05.2021

Herr Gattringer, was ist "excellent"? Christoph Gattringer: Österreich hat in zahlreichen Wissenschaftsgebieten Wissenschaftler*innen, die an der Weltspitze forschen. Denken Sie an Life Sciences, Quantenphysik oder Geschichtsforschung. Mit den neuen excellent=austria-Förderungen bieten wir noch mehr Ressourcen, aber auch Freiraum und Flexibilität, um Fragen der Grundlagenforschung adäquat zu adressieren. Es geht darum, den Wissenschaftsstandort Österreich zu stärken und zugleich die nächste Generation junger Forschender an die Weltspitze heranzuführen. Wir legen großen Wert auf einen nahtlosen Wissenstransfer in die Gesellschaft. Am Ende sollen die gewonnenen Erkenntnisse uns allen zugute kommen.

Was beinhaltet das neuartige Förderprogramm?

Gattringer: Es wird mehrere Förderschienen umfassen. Mit 1. Juni starten wir die Ausschreibung des größten Programms, der "Clusters of Excellence". Gemeinsam mit den Eigenmitteln der Universitäten stehen für die ersten drei Jahre 250 Millionen Euro zur Verfügung, mit bis zu sieben Millionen Euro für einen Cluster pro Jahr. Das ist mehr, als der FWF je an einzelne Gruppen vergeben hat. Ziel des Clusters ist es, Förderungen für wissenschaftliche Fragestellungen in einer neuen Dimension in puncto Finanzrahmen und Förderdauer zur Verfügung zu stellen: Pro Projekt können bis zu 70 Millionen Euro über eine Dauer von zehn Jahren ausgeschüttet werden. Das schafft Planungssicherheit für die Forschungsarbeit und erlaubt es den Universitäten und Forschungsstätten, langfristig in größeren Verbünden zu arbeiten. Für viele moderne Forschungsfragen ist das unerlässlich.

Wie soll sich das Programm auswirken?

Gattringer: Auf struktureller Ebene wird es mehr Kooperationen zwischen den Standorten geben. Wir erwarten uns Verbesserungen in den Rankings und international sichtbare Forschungserfolge. Das wird auch dazu führen, dass die Sichtbarkeit und die Rahmenbedingungen für Nachwuchsforschende noch besser werden, was auch einen Vorteil für deren Berufbarkeit mit sich bringt. Die erste Programmschiene von excellent=austria, die "Clusters of Excellence", wird zudem dedizierte Trainings und Ausbildungskomponenten für Doktorand*innen und Postdocs beinhalten. Diese sollen dann von den Clustern fachspezifisch ausgestaltet und umgesetzt werden.

Eine Studie zur deutschen Exzellenzinitiative kommt zum Schluss, dass die Ziele verfehlt wurden und Unterschiede zwischen Exzellenzuniversitäten und anderen nur fortgeschrieben wurden. Besteht diese Gefahr auch für das österreichische Förderprogramm?

Gattringer: Das ist ein wichtiger Punkt, den wir uns in den Planungen angesehen haben. excellent=austria ist keine Kopie der deutschen Exzellenzinitiative, insbesondere sollen keine Exzellenzuniversitäten ausgewiesen werden, sondern die wissenschaftlich stärksten Gruppen an unterschiedlichen Forschungsstätten die Möglichkeit erhalten, langfristig finanziert neue Forschungsfragen zu bearbeiten. Die zweite Programmschiene von excellent=austria, die "Emerging Fields", die mit 2022 starten, ist ein Angebot für vielversprechende, aber noch nicht etablierte Forschungsfelder. Das gibt neu etablierten Forschungsgruppen die Möglichkeit, schnell ins Spitzenfeld zu rücken - diese Komponente fehlt in Deutschland.

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