BRIEF AUS BRÜSSEL

Frauenarbeit

EMILY WALTON
vom 26.05.2021

Auch unter ihrer ersten Präsidentin Ursula von der Leyen hat sich die EU-Kommission weiter dem Ziel verschrieben, die Gleichstellung von Frau und Mann in Europa voranzutreiben. Wie weit der Weg hier noch ist, zeigt mit einiger Deutlichkeit der "Bericht über die Gleichstellung der Geschlechter in der EU von 2021", den die Brüsseler Behörde Anfang März anlässlich des Weltfrauentags veröffentlicht hat.

Ein bemerkenswertes Detail betrifft die Zahl an Frauen in Covid- 19-Entscheidungsgremien. Diese wurden im Vorjahr neu geschaffen und zusammengesetzt, dennoch ist, wie die Kommission feststellt, ein "eklatanter Mangel an Frauen" zu verzeichnen. Von den 115 nationalen Corona-Taskforces in 87 Ländern (darunter 17 EU-Mitgliedsstaaten) setzten sich 85 Prozent hauptsächlich aus Männern zusammen. Dem gegenüber standen 11 Prozent der Gremien, in denen hauptsächlich Frauen vertreten waren. Bei rund vier Prozent herrschte Geschlechtergleichstand. Ein Blick in die EU-Staaten zeigt: Nur ein Drittel der Gesundheitsministerien in Europa wird von Frauen geführt. Die Kommission geht hier mit gutem Beispiel voran: Die hauseigene Corona-Taskforce wird von Kommissionspräsidentin von der Leyen geleitet, drei der weiteren fünf Mitglieder sind Frauen.

Wo die Frauen in der Mehrheit waren? Wenn es darum ging, wer die Pandemie "an vorderster Front" bekämpfte bzw. von ihr besonders stark betroffen war: Drei Viertel der Beschäftigten im Gesundheitswesen und in der Sozialfürsorge sind Frauen, ebenso 86 Prozent der Pflegekräfte im Gesundheitswesen. Gleichzeitig arbeiten in den Sektoren, die die Coronakrise am stärksten trifft, besonders viele Frauen: Im Einzelhandel, im Gastgewerbe, bei der Betreuungs-, Pflege-und Hausarbeit.

Wie das bittere Tüpfelchen auf dem i wirkt da eine weitere Statistik aus dem Bericht der Kommission: Die Lockdowns, die es seit März des Vorjahres gab, haben "erhebliche Auswirkungen auf unbezahlte Betreuungs-und Pflegearbeit" sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Wen das mehrheitlich trifft, liegt auf der Hand: Frauen verbrachten im Jahr 2020 im Schnitt 62 (!) Stunden pro Woche mit der Kinderbetreuung (Männer 36) und 23 Stunden pro Woche mit Hausarbeit (Männer 15).

Wie gesagt: Es ist noch ein weiter Weg.

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