WAS AM ENDE BLEIBT

Himmelwärts

ERICH KLEIN
vom 26.05.2021

Beim Begräbnis von Fritz Wotruba im August 1975 machte eine Neuigkeit die Runde: Die Kirche am Georgenberg, über die seit Jahren diskutiert wurde, sei schon im Bau. Schon am nächsten Tag machten sich einige Architekten auf den Weg nach Liesing und fanden sich in ihrer bisherigen Ablehnung der Skulptur aus Betonblöcken, die so tat, als sei sie Architektur, sofort bestätigt. Noch vierzig Jahre später meinte Friedrich Achleitner, am besten sei die Wotruba-Kirche in unvollendetem Zustand ohne Decke gewesen.

Ohne Zweifel stellt Wotrubas Versuch, von der menschlichen Figur über die Gestaltung von Bühnenräumen zum Entwurf einer modernen Kirche zu gelangen, auch eine kulturpolitisch bedeutende Manifestation jenseits ästhetischer Fragen dar. Im Zuge des Disputs über ein ursprünglich intendiertes Schweigekloster hatten sich eine parteiübergreifende Allianz von Kirche und Sozialdemokraten gebildet, die mit Wotruba, Österreichs einflussreichstem Künstler, sich anschickte, eine "Kirche der Zukunft" zu errichten. Die seit dem Bürgerkrieg 1934 bei Bedarf immer wieder aufbrechende Lagerkonfrontation sollte und wollte überwunden werden.

In einem Land, in dem seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Kirchen gebaut wurden als in der ganzen vorangegangenen Geschichte, war Neues angebracht. An all diese Fragen wird in der Ausstellung des Belvedere 21 "WOTRU-BA. Himmelwärts" erinnert, bezeichnend aber, dass ein Detail aus dem Leben der Stifterin der Wotruba-Kirche, Margarethe Ottillinger, unterbleibt. Als junge Beamtin 1948 von den Sowjets verhaftet und zu langer Lagerhaft verurteilt, wurde sie nach der Rückkehr aus dem Gulag zur vehementen Antikommunistin, später Vorstandsdirektorin der ÖMV.

Märtyrertum vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte des Wiederaufbaus machte sie zur idealen Stifterin der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, die sich über einer ehemaligen Flak-Stellung des Zweiten Weltkriegs erhebt. Ein Blick ins österreichische Bibliotheksverzeichnis hätte genügt, um zu sehen, dass auch Margarethe Ottillingers Anfänge kritisch zu hinterfragen wären: Der Titel ihrer Dissertation aus dem Jahr 1941 lautet "Die Donau, Wasserstraße Großdeutschlands und Verkehrsweg nach dem Nahen Osten". Was am Ende bleibt, ist immer eine Frage. Himmelwärts.

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