JUNGFORSCHERINNEN

Welche Faktoren spielen bei Wind und Wetter eine Rolle?

Das erforschen Doktorand*innen am Institut für Atmosphären-und Kryosphärenwissenschaft der Universität Innsbruck

USCHI SORZ
vom 26.05.2021

Christian Lamprecht, 33 Das Wetter ist nicht grundlos Smalltalk-Thema Nummer eins: Es betrifft alle. Christian Lamprecht wusste schon im Gymnasium, dass er es einmal studieren will. "Die Neugierde, Prozesse in der Natur zu verstehen, hat mich früh bewogen, den Blick nach oben zu richten", sagt der Tiroler, der seine Doktorarbeit in Atmosphärenwissenschaften dem Schwerpunkt Luftchemie widmet. Er erforscht, welche menschengemachten Emissionen aus Industrie, Verkehr, Landwirtschaft oder Hausbrand in welchem Umfang die Luftqualität beeinflussen. "Saubere Luft ist ein wichtiges Gut angesichts der Tatsache, dass in naher Zukunft die Hälfte der Menschen in Städten leben wird." Lamprecht nutzt ein Messverfahren, das Austauschprozesse in der bodennahen Luftschicht erfassen und lokale Emissionsquellen von weiter entfernten unterscheiden kann.

Annelies Voordendag, 26 Schnee und Eis haben die Niederländerin schon immer fasziniert. Für ihren Master in Geowissenschaften und Remote Sensing an der TU Delft hat sie den Schnee in den chilenischen Anden modelliert, jetzt erforscht sie in Tirol, wie er sich am Hintereisferner in den Ötztaler Alpen verteilt und welchen Einfluss das auf die Massenbilanz des Gletschers hat. "Die Massenbilanz ist die Zu-und Abnahme der Gletschermasse", erklärt sie. "Es ist auch eine Beobachtung, dass Schnee dort, wo es mehr davon gibt, länger liegen bleibt." Da Gletscher eine wichtige Rolle im globalen Wasserhaushalt spielen, will man solche Prozesse besser verstehen. Die Höhenänderungen misst ein terrestrischer Laserscanner. "In Kombination mit der Modellierung hochauflösender Windfelder sehen wir dann, wie die Schneeverteilung zustande gekommen ist."

Maren Haid, 30 "Warum steigt Föhn in die Täler hinab?" Das fragt hier kein wetterfühliger Mensch, dem der warme Wind zu schaffen macht, sondern hat schon 1931 den Föhnforschungspionier Alfred von Ficker beschäftigt. Bis jetzt ist die Frage unbeantwortet, doch zum Glück gibt es heute bessere Messinstrumente. "Bevor der Föhn in alpine Täler eindringt, muss er die dort angesammelte kalte Luft verdrängen", erklärt Haid. Um die Abbauprozesse dieser Kaltluftseen dreht sich ihre Arbeit. Im Zuge einer Messkampagne hat sie mit Fernerkundungsinstrumenten die Windgeschwindigkeit an zahlreichen Punkten über Innsbruck bestimmt. "Messen mindestens zwei dieser Geräte zeitlich synchron auf der gleichen Ebene, lässt sich das Windfeld für diese Ebene ableiten. So kann man die Interaktion zwischen Föhn und Kaltluftsee direkt beobachten."

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