FORSCHUNGSFÖRDERUNG

Zwei Mal zwei bei einem forschenden Ehepaar

Zwölf österreichische ERC-Anträge für das EU-Grundlagenforschungs-Förderprogramm "Horizon 2020" wurden im letzten Jahr bewilligt

SABINE EDITH BRAUN
vom 26.05.2021

Ein "Grant" pro 739.803 Einwohner, 1,33 pro Bundesland oder einer für jeden Monat: Viel für ein kleines Land wie Österreich, denn damit ist nicht die hiesige Übellaunigkeit gemeint, sondern der Förderungspreis des European Research Council ERC, kurz: "ERC Advanced Grant". So lautet die aus österreichischer Sicht erfreuliche Bilanz der letzten Ausschreibung aus dem EU-Förderprogramm "Horizon 2020", das heuer vom neuen, siebenjährigen Programm "Horizon Europe" abgelöst wurde. "Der Fleiß der Forschenden und die Antragsstrategien der österreichischen Forschungscommunity haben sich eindeutig ausgezahlt", erklärt das Wissenschaftsministerium dazu.

Insgesamt bewarben sich für die Ausschreibung bei einem Gesamtförderbudget von 507 Millionen Euro 2.678 Wissenschafter*innen aus der ganzen Welt, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Bewilligt wurden 209 Anträge, eine Erfolgsaussicht von 7,8 Prozent pro Antrag. Die Erfolgsaussicht, dass von zwei Bewerber*innen beide die Bewilligung erhalten, beträgt 0,6 Prozent. Und wenn die beiden auch noch miteinander verheiratet sind -?

Grants, die quasi in denselben Haushalt gehen, erhalten Monika und Thomas Henzinger. Monika Henzinger ist Professorin für Informatik an der Universität Wien, ihr Ehemann, ebenfalls Informatiker, leitet das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg.

Monika Henzinger erhielt bereits 2013 einen Grant. "Einen ERC-Grant zu bekommen, ist eine Auszeichnung, ein zweiter bedeutet, dass nach Einschätzung von internationalen Gutachter*innen, also von Kolleg*innen in meinem Forschungsgebiet, der erste sehr erfolgreich war. Das freut mich natürlich. Durch das Projekt werde ich in der Lage sein, weitere ausgezeichnete Wissenschaftler*innen nach Wien zu holen und meine Forschungsgruppe zu vergrößern." Sie entwickelt mit ihrem Team Algorithmen für dynamisch vernetzte Informationen etwa in Datenbanken und dyamisches Clustering. Diese Algorithmen geben bei Abfragen zwar Informationen preis, aber keine über einzelne Personen.

Thomas Henzinger -auch für ihn ist es der zweite Grant - betont, dass ERC-Förderungen keiner strategischen Vorgabe folgen, sondern durch ein Fachkollegium auf ihren wissenschaftlichen Gehalt bewertet werden. "Neben dem finanziellen Wert sind diese Förderungen auch eine Anerkennung der Forschungsleistung", sagt der IST-Austria-Präsident. Er entwickelt Methoden, um Software sicherer, fairer und weniger fehleranfällig zu machen, indem diese durch unabhängige Software überwacht wird.

Die beiden Projekte zählen zum Bereich IKT, doch die Themen der zwölf bewilligten Projekte sind in unterschiedlichen Disziplinen angesiedelt: Sechs Anträge im Bereich Physik und Ingenieurwissenschaften, vier im Bereich Life Sciences und zwei in den Geistes-und Sozialwissenschaften (Geschichte, Linguistik). International wurden in letzterem Bereich seit 2007 nur rund 11,4 Prozent der Anträge bewilligt. In Österreich wurden in diesem Themenfeld bisher 58 ERC-Grants eingeworben, geistes-und sozialwissenschaftliche Anträge österreichischer Forschungseinrichtungen haben eine Erfolgsquote von 16,7 Prozent, so das Ministerium.

Seit Beginn der Ausschreibungen wurden an österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen rund 320 Grants aus ERC-Programmen eingeworben -eine Fördersumme von rund 310 Millionen Euro. Die meisten Bewilligungen: Universität Wien, gefolgt von der ÖAW (inkl. GmbHs) und IST Austria.

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