Austausch und Vernetzung für den Wissenschaftsstandort Österreich

Bei ihren Veranstaltungen bringt die ÖFG unterschiedliche Disziplinen miteinander ins Gespräch und begleitet die heimische Bildungsdebatte mit Expertise

WERNER STURMBERGER
vom 23.06.2021

Seit 1977 hat sich die Österreichische Forschungsgemeinschaft dem Ziel verschrieben, der Wissenschaftsförderung wie der Wissenschaftspolitik in Österreich neue Impulse zu geben. "Es ist unser Auftrag und unser Anliegen, aktiv zur Zukunftsorientierung und Qualitätssicherung von Forschung und Lehre in Österreich beizutragen", sagt Reinhold Mitterlehner, Präsident der ÖFG. Das erreicht sie auf sehr pragmatischem Weg mit Druckkostenzuschüssen, hilft aber auch bei der Finanzierung von Reisekosten. So können sich die heimischen Wissenschaftler*innen über die Ländergrenzen hinweg einbringen, aber auch Forscher*innen nach Österreich eingeladen werden.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der ÖFG sind die Arbeitsgemeinschaften (ARGE), in denen Forscher*innen aus unterschiedlichen Disziplinen in einem engen Austausch stehen, um aktuelle Fragestellungen von öffentlichem Interesse zu bearbeiten. Aktuell sind das die Arbeitsgemeinschaften: "Zukunft der Demokratie","Internationale Beziehungen", "Kulturelle Dynamiken", "Digitale Transformation", "Gesundheit unter epigenetischen Gesichtspunkten", "Staatliche Aufgaben, private Akteure" sowie "Hochfrequenzforschung". Die engagierten Arbeitsgemeinschaften sorgen mit einer Vielzahl von Workshops dafür, dass der Veranstaltungskalender der ÖFG gut gefüllt ist, auch als die Veranstaltungen pandemiebedingt online stattfinden mussten. Die Workshops geben interessierten Forscher*innen einen Einblick in die Arbeitsgemeinschaften und sorgen so auch für Anregungen von außen.

Bildungsforschung: Der Zukunft verpflichtet

Mit den bildungspolitischen Workshops in Baden kommt die ÖFG einem ihrer Hauptanliegen nach: Seismografisch bildungspolitisch zentrale Entwicklungen aufzugreifen und als Katalysator zukunftsfähiger Entwicklungspfade zu fungieren. Der Workshop ist ein Fokalpunkt unterschiedlicher, aber sich ergänzender Perspektiven und trägt mit wissenschaftlicher Expertise zu einer fundierten Aufbereitung, der oft ideologisch geführten Bildungsdebatte bei. "Ein wichtiges Ziel der Österreichischen Forschungsgemeinschaft ist, den interdisziplinären und standortübergreifenden Dialog zu fördern", sagt Christiane Spiel, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der ÖFG und Bildungspsychologin an der Universität Wien.

Die Teilnehmer*innen sind Funktionsträger*innen von Hochschulen, Vertreter*innen von Ministerien und anderen Organisationen, die sich mit Bildungsund Wissenschaftsthemen beschäftigen, genauso wie Personen aus unterschiedlichen Disziplinen der Bildungsforschung. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen des österreichischen Bildungs-und Hochschulsystem werden auch gesamteuropäische Entwicklungen beleuchtet. Dazu tragen internationale Vortragende bei. Zwar lassen sich Erfahrungen aus anderen Ländern nicht eins zu eins übertragen, liefern aber neue Impulse für die heimische Bildungsdebatte. Die Ergebnisse des Workshops werden als kompakte Stellungnahme mit Handlungsempfehlungen festgehalten und dienen als konkrete Empfehlungen für Entscheidungsträger*innen.

Die diesjährige Veranstaltung "Studierende zum Abschluss motivieren" fand pandemiebedingt virtuell statt. Ein Format, das sich bewährt habe und auch eine Verdopplung der Teilnehmer*innen-Anzahl ermöglichte. "Aus den Diskussionen und Vorträgen ließen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten: Beginnend mit einer differenzierten Erhebung der Ursachen für die Überschreitung der Studiendauer über die gezielte Förderung des selbstregulierten Lernens und der sozialen und universitären Einbindung der Studierenden bis hin zur Etablierung von Plattformen zum sozialen Austausch in den späteren Studienphasen", sagt Christiane Spiel, die den Workshop konzipiert hat.

Wissenschaftstag: Nationalfeiertag der besonderen Art

Als prestigeträchtigste Veranstaltung im Kalenderjahr der ÖFG darf der Österreichische Wissenschaftstag alljährlich zum Nationalfeiertag gelten. Seit 1989 findet die ungewöhnliche Veranstaltung statt: "Die ÖFG verfolgt Ziele, die von wenig anderen Wissenschaftsgesellschaften verfolgt werden: Nämlich Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzubringen, um über dasselbe Thema zu diskutieren und einen gezielten Austausch zu forcieren", erklärt Christiane Spiel. Reinhold Mitterlehner schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir möchten einen interdisziplinären und standortübergreifenden Dialog zu wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Themen fördern und entsprechende Forschungen anregen."

Nirgends wird das so deutlich wie am Österreichischen Wissenschaftstag, wo Forscher*innen unterschiedlichster Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen. Selbst wenn sich das bisweilen herausfordernd gestaltet, gilt es doch oft, überhaupt eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Überzeugung der Notwendigkeit eines grenzüberschreitendenden Dialogs ist aber größer als die Schwierigkeit, die die Überwindung disziplinärer Grenzen mit sich bringt.

Thematisch greift das Symposium aktuelle gesellschaftliche Themen so auf, dass sie aus unterschiedlichen Disziplinen beleuchtet werden können. Das Thema der diesjährigen Ausgabe lautet: "Modellbildung und Simulation in den Wissenschaften"."Modelle sind vereinfachte Abbilder realer Zusammenhänge und Entwicklungen. Damit wird auch eine Vielzahl an Fragen aufgeworfen, die sich auch gerade aktuell im Rahmen der Covid-19-Pandemie stellen", erklärt Reinhold Mitterlehner. Bei der ÖFG blickt man mit großer Vorfreude einer spannenden und diversen Debatte entgegen. Nicht zuletzt deshalb, da der Wissenschaftstag letztes Jahr pandemiebedingt entfallen musste.

Im Oktober soll er in seiner gewohnten Form in Baden stattfinden. Die Ergebnisse des Österreichischen Wissenschaftstags sind danach allen Interessierten in Form von Publikationen zugänglich -27 Druckwerke mit den Beiträgen der Tagung sind bereits erschienen.

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