HOCHBEGABTENFÖRDERUNG

"Auch Begabung ist ein besonderes Bedürfnis"

Jugendliche, deren Wissbegier über den Schulstoff hinausgeht, werden oft übersehen. Der "Tag der Wissenschaftsolympiaden" soll das ändern

USCHI SORZ
vom 27.10.2021

Sie bringen jedes Jahr Medaillen nach Hause: "Heuer Gold in Physik, Silber in Philosophie, Bronze in Informatik, Silber und dreimal Bronze in Chemie, zweimal Bronze in Mathematik", berichtet Michael Eichmair, Professor für Globale Analysis und Differentialgeometrie an der Wiener Fakultät für Mathematik. "Man muss sich einmal vorstellen, was für ein Aufhebens da gemacht würde, wenn es um Sport ginge." Die Gewinner*innen internationaler Schüler*innenolympiaden hingegen sieht man selten in der Zeitung. Zu Unrecht, meint Eichmair.

Begabtenförderung: Auftrag an Unis und Schulen Er engagiert sich mit dem Programm "Mathematik macht Freu(n)de" (MmF) schon länger für universitäre Schüler*innenförderung. Für die MmF-Schüler*innenkurse der Uni Wien trainiert er Lehramtsstudierende darin, adäquat auf spezielle Bedürfnisse wie Lernschwächen, aber eben auch Hochbegabung einzugehen. Schüler*innenolympiadenvorbereitung bietet MmF ebenfalls an.

"Auch Begabung ist ein besonderes Bedürfnis", betont Eichmair. "Ohne Blick dafür erkennt man sie oft schwer, denn selbst innerhalb eines Fachs äußert sie sich unterschiedlich." Ebenso wie Sportasse kaum zugleich im Speerwerfen und Skispringen herausragend seien, äußere sich Talent in Wissenschaftsdisziplinen sehr spezifisch. "Schulen, die an solchen Olympiaden teilnehmen und die entsprechenden vertiefenden Übungen anbieten, erkennen und unterstützen damit besonders wissbegierige Schüler*innen mit hohem Potenzial." Sind diese im Bundesländerund Bundeswettbewerb erfolgreich, treten sie bei der, in jeder Disziplin von einem anderen Land ausgerichteten, internationalen Olympiade an. "Lehrer*innen und Schüler*innen betreiben dafür einen unglaublichen Aufwand, das sollte man würdigen."

Die Vision: Klugen Köpfen den Weg ebnen Eichmair hat darum gemeinsam mit seiner Kollegin Theresia Eisenkölbl den "1. Tag der Wissenschaftsolympiaden" organisiert: Am 22. September lud Bundesminister Heinz Faßmann die Delegationen der heimischen Wissenschaftsolympionik*innen im Beisein von Vertreter*innen der Industriellenvereinigung zum festlichen Empfang ins BMBWF. Anschließend holte sie der Wissenschaftsfonds FWF im Palais Schönburg bei der Feier zur START- und Wittgenstein-Preisvergabe vor den Vorhang. Zwanzig Jugendliche, etwa der Physik-Goldmedaillengewinner Elias Hohl oder die Mathematik-Bronzemedaillengewinnerin Doris Obermaier, tauschten sich mit den Spitzenforscher*innen aus. "Die besten Voraussetzungen für die Forschenden von morgen." Schüler*innen stärker für MINT-Fächer zu interessieren sei seit Jahren ein Riesenthema, resümiert Eichmair. "Doch welche Vorbildfunktion Schüler*innenolympiaden hier haben, hat man bisher nicht berücksichtigt." Der neue "Tag der Wissenschaftsolympiaden" sei ein Signal, die Begabtenförderung künftig zu forcieren.

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