FRUCHTBARKEITSFORSCHUNG

Ein Sperma bekommt auf Vorsprache eines Herolds Einlass in die Eizelle

Es ist wie beim Einzug eines Königs in die Stadt: Ein Herold geht dem Sperma voraus, um Einlass zu bekommen und empfangen zu werden

JOCHEN STADLER
vom 01.12.2021

Die Spermazellen von Säugetieren sind auf einen Herold angewiesen, um in der von einer massiven Mauer umgebenen Eizelle eine Empfängnis auslösen zu können, taten Wiener Forschende im Fachblatt Pnas kund. Die Vorsprache jenes offiziellen Boten, der den Namen "SPACA4" (Sperm acrosome membrane-associated protein 4) trägt, sei bei Mäusen notwendig, damit Spermazellen die Schutzhülle der Eizellen (Glashaut) durchdringen können.

Spermazellen ohne SPACA4 zeigten normale Beweglichkeit, eine Empfängnis war bei ihnen jedoch zumeist verhütet, fanden die Forschenden um Andrea Pauli vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien heraus. Jener Herold sei ausschlaggebend, dass die Spermazellen jene Barriere, die durch die Glashaut gebildet wird, durchschreiten können, rapportieren sie.

Zuvor hatten sie die Rolle des Vetters "Bouncer"(engl. "Türsteher") von SPACA4 in Fischen erkundet. Er steht nicht im Dienste der Spermien, sondern der Eizellen. An deren Pforte mimt er den Wächter, der nur artgleiches Sperma als genehm einlässt. Er weist artfremde Spermazellen ab und bewahrt so die Keuschheit von Eizellen, bis ein genehmer Freier um Einlass bittet. Die Verwandten "Bouncer" und "SPACA4" haben gegenteilige Rollen bei Säugern und Fischen: Einmal den Herold zu geben, der um Einlass bittet, ein andermal den Wächter, der für unwürdig befundenen Besuch abweist.

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