KLIMATECHNOLOGIE

Studie wozu?

CHRISTOPH PONAK
vom 01.12.2021

Wie hoch ist der CO2-Ausstoß eines Passagierflugzeuges "wirklich"? Diese komplexe Frage versucht eine relativ neue Studie zu Mobilitätsformen und deren Fußabdruck zu beantworten. Was ist demnach die "beste" Form der Fortbewegung? Wie immer: Auf zu den Zahlen!

In besagter Studie werden dem Zug als Verkehrsmittel am oberen Ende eines breiten Spektrums knapp über 70 g/PKM (Personenkilometer) CO2-Ausstoß angelastet, dem Flugzeug 90 g/PKM. Einige weitere Aspekte sprechen laut Ergebnis nicht für die Schiene, zumindest jedoch, so die Message jener Person, die sie geteilt hat, soll dieser geringe Abstand zwischen den beiden Zahlen dazu anregen, altbewährtes Wissen zu hinterfragen. Inhalt, Methodik und Ergebnisdarstellung (ich bin mit der Ausführung aller drei Aspekte nicht hundertprozentig zufrieden) dieser und anderer Studien ähnlicher Natur ungeachtet: Was macht man damit?

Ich sehe in Bewertungen dieser Art wiederkehrende Muster der Menschen im Umgang mit der Klimakrise: Überforderung und zeitliches Verschieben von Systemänderungen auf später. Wir versuchen das "Richtigste" zu finden und stellen dabei vermeintlich "Richtiges" in jeweils anderem Licht dar, machen jedoch alles unverändert falsch. Es ist im Kampf gegen die Erderwärmung, abgesehen von plötzlicher technischer Disruption, völlig unerheblich, wie viel Gramm pro Flugkilometer und Person "genau" ausgestoßen werden, wenn sich die zugrunde liegenden flug-und, allgemeiner, emissionsverursachenden Systeme nicht ändern. Ich kann nicht mit dem Zug von Österreich nach Japan fahren. Solange ein Vertrag bei einem Geschäft irgendeiner Art zwischen diesen beiden Nationen kulturbedingt eine persönliche Anwesenheit erfordert, ist die genaue Quantifizierung des verursachten Schadens fern jeder Relevanz. Einen eintägigen Shoppingtrip von Frankfurt nach Barcelona wird auch die flugentlastendste Studie nicht weniger verwerflich machen, und das E-Auto wird die Individualmobilität nicht bezüglich ihres Umweltschadens verschönern.

Wir müssen Systeme verändern, nicht die Systemgrenzen unserer Berechnungsmethoden.

MEHR VON CHRISTOPH PONAK: ENGINEERS FOR A SUSTAINABLE FUTURE: WWW. ESFUTURE. AT WWW.SHIFTTANKS.AT

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