EDITORIAL

Wandlung

CHRISTIAN ZILLNER
vom 01.12.2021

Einst hatten Theologen (und unter ihnen nur sehr wenige Theologinnen) zu bestimmen, was Wissenschaft ist und was nicht. Dann erkämpften sich die Philosophen (es liegt sicher nur an mir, dass mir momentan keine Philosophin einfällt) diese Deutungshoheit. In der Medizin wurde der "Vater der Schulmedizin" Paracelsus als Kakophrastus verhöhnt und von seinen wissenschaftlichen Kollegen (keine Kolleginnen) abgelehnt.

Das alles hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Heute spielt Science alle Stückeln und sich als die Wissenschaft auf, der Rest sind Humanities, denen irgendwann auch noch die letzten Forschungsgelder zu streichen sind -oder?

Die Beiträge in dieser Ausgabe vermitteln ein anderes Bild. Egal ob Pandemieforschung, wissenschaftlicher Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels oder Fragestellungen der Genetik, alle Beiträge beharren darauf, dass Science nicht ohne Humanities auskomme. Was aber, wenn man den Spuren des Geldes folgt? Stößt man da nicht auf ausgemergelte Humanist*innen, die begehrlich auf die reich gedeckten Labortische der Kolleg*innen von den Naturwissenschaften starren? Verkommen die Humanities zum "Hausverstand" der Wissenschaft? "Been Down So Long It Looks Like up to Me" heißt ein Roman von Richard Fariña. Literatur halt.

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