JUNGFORSCHERINNEN

Wer von der Schulzeit bis zur Dissertation

herausragende Leistungen abliefert, promoviert sub auspiciis praesidentis rei publicae. So wie diese drei Nachwuchswissenschaftler*innen

USCHI SORZ
vom 01.12.2021

Martin Kerndler, 33, TU Wien "Wenig betrieblicher Spielraum bei der Lohngestaltung kann an institutionellen Faktoren wie Kollektivverträgen oder Kündigungsschutz liegen, oft aber auch an Marktmechanismen", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Zur Lohnrigidität, wie man diesen Aspekt der Arbeitsmarktökonomie nennt, hat er am Doktoratskolleg "Vienna Graduate School of Economics" der Universität Wien dissertiert und den Fokus auf individuelle wie auch volkswirtschaftliche Auswirkungen gelegt. Nun ist er Postdoc am Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik der TU Wien, wo er sich mit Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz befasst. "Die Verteilung von Gesundheitsrisiken und Einkommen zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen zeigt, dass hier bestehende Ungleichheiten noch verstärkt werden."

Nadine Präg, 34, Universität Innsbruck "Wer vom Klimawandel spricht, muss auch über Mikroorganismen reden", meint die Vorarlbergerin. Sie hat in Innsbruck Biologie und Mikrobiologie studiert und ist nun Senior Scientist an ihrer früheren Alma Mater. "Obwohl diese Winzlinge lebensnotwendig für uns sind, weiß man noch wenig über ihre Diversität in Böden." Präg hat untersucht, wie sich Änderungen des Klimas und der Landnutzung darauf auswirken, und dabei einen Fokus auf den Kreislauf des Treibhausgases Methan gelegt. Diesen bestimmen Mikroorganismen entscheidend mit. "Ich konnte zeigen, dass steigende Temperaturen einen deutlichen Einfluss auf die Diversität der Mikroorganismen in den Böden der Alpen haben und dass ihre Kapazitäten, Methan aufzunehmen, dadurch beeinträchtigt werden."

Matthias Hoernes, 32, Universität Wien "In der Archäologie können wir Fragen, die uns heute noch beschäftigen, in ganz anderen kulturellen Kontexten untersuchen", sagt der Postdoc-Assistent am Wiener Institut für Klassische Archäologie. "Etwa, wie wir Alter, Geschlecht und soziale Ungleichheit konstruieren oder den urbanen Raum gestalten." Die unterschiedlichen historischen Denk-und Handlungsoptionen hätten uns immer noch viel zu sagen. Für seiner Dissertation an der Uni Innsbruck hat Hoernes Gräber aus dem 6. bis 4. Jh. v. Chr. im heutigen Apulien erforscht, die wiederholt geöffnet und mehrfach für Bestattungen genutzt wurden. "Dieses Phänomen, das wir auch aus der Gegenwart kennen, mag uns trivial erscheinen, doch zeigen sich komplexe Praktiken des Umgangs mit den Toten, ihren Körpern und Grabbeigaben."

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