WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION

Dafür sorgen, dass Wissen in der Welt ist

Der Wissenschaftler Florian Freistetter über die BMBWF-Initiative gegen Wissenschafts-und Demokratiefeindlichkeit

INTERVIEW: WERNER STURMBERGER
vom 27.04.2022

In keinem anderen EU-Land mit Ausnahme von Kroatien ist das Interesse an Wissenschaft so niedrig wie in Österreich, ergab eine Eurobarometer-Umfrage des Vorjahres. Das BMBWF hat deshalb ein Maßnahmenpaket gegen Wissenschafts-und Demokratiefeindlichkeit angekündigt, das insbesondere in den Schulen ansetzt. Auch im Bereich Wissenschaftskommunikation will man neue Impulse setzen. Warum die Science Busters, die seit bald 15 Jahren Wissenschaft innovativ und humorvoll auf die Bühne bringen, dabei helfen sollen und können, verrät der Astronom Florian Freistetter.

Herr Freistetter, woher kommt die große Skepsis gegenüber den Wissenschaften?

Florian Freistetter: Meiner Erfahrung nach hat das Problem oft nicht mit Unwissen zu tun. Das ist eher ein Symptom, aber keine Ursache. Dahinter steht eine Form von Unbehagen, ein Sich-nicht-Wohlfühlen in der Gesellschaft, das sich manifestiert. Das ist vielleicht selbst gar nicht spezifisch, äußert sich aber in ganz spezifischen Situationen -etwa wenn mir die Regierung sagt, dass ich zuhause bleiben oder impfen gehen soll. Dann sucht man gezielt nach Informationen, die die eigene Haltung unterstützen. Im Internet wird man schnell fündig, während man die eigene Meinung in etablierten Medien nicht wiederfindet. So ist man eher bereit zu glauben, dass Wissenschaft und Journalismus gekauft sind. Man darf auch nicht vergessen, dass Verschwörungstheorien einfache Erklärungen in einer komplexen Welt liefern. Letztlich sind sie auch eine Form von Selbsterhöhung: Ich habe etwas erkannt, was alle anderen nicht verstanden haben. Das fühlt sich gut an und wird darum auch nicht einfach aufgegeben.

Was kann man dagegen tun?

Freistetter: Ich glaube nicht, dass man irrationalen Überzeugungen mit rationalen Argumenten begegnen kann. Es lohnt sich trotzdem, Falschinformationen richtigzustellen, damit jene, die nach Informationen suchen, sie auch finden. Man muss bewusst dafür sorgen, dass Wissen in der Welt ist. Ist es das nicht, dann kann man nicht darauf stoßen. Das heißt, Zugänge zu diesem Wissen zu schaffen - von Hochschulvorlesungen bis zu Instagram oder Podcasts. Damit steigt die Möglichkeit, dass auch jene, die stur an irrationalen Überzeugungen festhalten, ins Grübeln kommen. Das muss von jedem selbst kommen. Man kann aber versuchen, das Interesse an "echtem Wissen" zu wecken.

Kommt damit der Wissenschaftskommunikation eine größere Rolle als bisher zu?

Freistetter: Forscher*innen, die viel Wissenschaftskommunikation betreiben, werden oft danach gefragt, ob sie noch zum Forschen kommen. Man könnte aber auch fragen, wann kommst du zum Kommunizieren, wenn du nur im Labor stehst? Ich glaube, dass die meisten Forschenden gern von ihrer Arbeit erzählen -und viele auch sehr gut darin wären. Weil es in ihrem Job bislang nicht vorgesehen war, haben aber nur wenige Erfahrungen damit gemacht. Mittlerweile setzt ein Umdenken ein. In vielen Studiengängen finden sich bereits einschlägige Lehrveranstaltungen, um künftige Wissenschaftler*innen besser auf diesen Bereich ihrer Arbeit vorzubereiten.

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