BODENEROSION

Dürre, Regen und die Ernte im Südsudan

Durch Abholzen der Wälder gibt es in Trockenphasen kaum mehr Wasserreserven im Boden. Und Starkregen schwemmt das Saatgut weg

LISA SCHÖTTEL
vom 27.04.2022

"Die lange Regenzeit im Südsudan dauert normalerweise von März bis Juli. Heuer kam es hier bereits im März zu drei starken Regengüssen. Die Bauern begannen mit der Aussaat, doch in weiterer Folge blieb der Regen aus und das Saatgut vertrocknete", erzählt Matthias Fettback, technischer Berater für Ernährungssicherung der Caritas Österreich im Südsudan.

Die Regenzeiten verschieben sich, trockene Böden und Kurzzeitdürren verhindern das Auflaufen des Saatguts, und sobald es aufgelaufen ist, wird es durch Überflutungen wieder weggeschwemmt. Bernhard Freyer, Leiter des Instituts für Ökologischen Anbau an der BOKU Wien: "Durch die Abholzung der Wälder gibt es in den Trockenphasen kaum mehr Wasserreserven im Boden. Bei Starkregen ist der Boden wiederum nicht in der Lage, das Wasser aufzunehmen." Hauptursache dieser geringen Speicherfähigkeit der Böden sei das Fehlen der nährenden Humusschicht: "Das ist vor allem auf die Abholzung der Wälder zurückzuführen. In manchen Regionen liegt der Waldanteil bei nur mehr drei Prozent. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft."

Der Lateritboden wird außerdem von der Sonne so stark aufgeheizt, dass heißer Wind nach oben steigt und die Wolkendecke auseinanderreißt. "Das erzeugt Wolkenlöcher. Der Regen fällt nicht mehr flächendeckend", erklärt Matthias Fettback. Wie ein Turbo für diese Wolkenlöcher wirken Buschbrände. "Früher haben diese Brände nichts ausgemacht, weil die Regenwälder noch feucht und dicht waren. "

Um die Bevölkerung vor möglichen Ernteausfällen zu schützen, erstellte der Tropenlandwirt aktuelle landwirtschaftliche Kalender mit integrierten Frühwarnsystemen. "Dabei ist es wichtig, auch traditionelle Frühwarnsysteme wie die Beobachtung von Grundwasserspiegel und Pegelständen miteinzubeziehen."

Die Ausweitung des Ackerbaus durch integrierte Tierhaltung sei für die Bevölkerung des Südsudans lebensnotwendig geworden. Freyer plädiert für eine rasche Transformation hin zur Ökolandschaft, um durch den Einsatz von humusnährenden Methoden die Nutzfläche zu regenerieren. Hier muss allerdings schnell gehandelt werden, denn, so Freyer: "Viele Böden sind schon jetzt irreversibel zerstört."

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