ERNÄHRUNGSWISSENSCHAFT

Elf Millionen sterben jährlich am Essen

Falsche Ernährung bringt viele Menschen um. Daher raten Wissenschaftler*innen zu einem Speiseplan, der Planetary Health Diet

LISA SCHÖTTEL
vom 27.04.2022

500 Gramm Obst und Gemüse, 250 Gramm Milchprodukte, 14 Gramm rotes Fleisch: Wer sich daran hält, bleibt nicht nur gesund, sondern schützt auch den Planeten. 2019 veröffentlichte die EAT-Lancet-Kommission die Planetary Health Diet, einen Speiseplan, der von 37 Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen entwickelt wurde. Das Ziel: Ein nachhaltiges Ernährungssystem für eine steigende Weltbevölkerung innerhalb planetarer Grenzen.

Richtiges Essen kann 62 Prozent der CO2-Emissionen einsparen Die Ernährung macht laut Weltklimarat in Summe zwischen elf und 37 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus. Gleichzeitig sterben elf Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen einer schlechten Ernährung. "Hier gibt es also großes Einsparungspotenzial", betont Martin Schlatzer, Ernährungsökologe am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in Wien. Würden sich die Einwohner*innen wohlhabender Länder an die Empfehlungen der Planetary Health Diet halten, könnten laut aktueller Studie 62 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen eingespart werden.

"Durch die weltweite Umstellung auf pflanzenbetonte Ernährung würde außerdem zusätzliches Land frei werden, das Treibhausgase aus der Atmosphäre speichern kann", erklärt Schlatzer und fügt hinzu: "So könnte jene Menge gespeichert werden, die dem 81-Fachen der jährlichen Treibhausgasemissionen der gesamten landwirtschaftlichen Produktion für reichere Länder entspricht."

Österreich isst um zwei Drittel zu viel Fleisch "Je weniger tierische Produkte, umso größer der Beitrag für das Klima", sagt der Ernährungsexperte. Bei der Planetary Health Diet liegt die Empfehlung bei 5 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Das entspricht einem Rindfleischburger pro Woche oder einem Steak pro Monat. "Wir essen in Österreich jährlich ca. 61 Kilogramm Fleisch pro Person, das sind schon um zwei Drittel zu viel Fleisch, als gesundheitlich von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird."

Im Falle eines reduzierten Rindfleischkonsums wären die Auswirkungen auf das Klima am frühesten zu sehen, da dieser mit Methanemissionen verbunden ist.

Schlatzer: "Die Lebenszeit von Methan, einem sehr klimawirksamen Treibhausgas, beträgt 12,4 Jahre. Im Vergleich dazu sind bei CO2 nach 1.000 Jahren noch rund 15 bis vierzig Prozent in der Atmosphäre übrig." Schneller sichtbar wären Co-Benefits wie die Reduzierung der Regenwaldabholzung für Futtermittel und Rindfleisch in Südamerika oder die Steigerung der Ernährungssicherheit und Gesundheit.

Rein pflanzliche Ernährung verringert verfrühte Todesfälle Die Ernährung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Erreichung des Pariser Abkommens. Allerdings stellt sich die Frage, ob es angesichts der derzeitigen Klimasituation noch radikalere Ernährungspläne als die Planetary Health Diet braucht.

"Eine weltweit vegane Ernährung würde zirka die doppelte Menge an den gesamten Treibhausgasemissionen einsparen, die die Europäische Union pro Jahr emittiert", erklärt Schlatzer.

Ein Ergebnis von rein pflanzlicher Ernährung würde sich an der Zahl der vermiedenen verfrühten Todesfälle zeigen: "Die könnte sich auf rund 8,1 Millionen belaufen -das ist fast das Doppelte der Einwohner*innenzahl von Kroatien."

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