MATHEMATIK

Mathematik für die Medizin

Die Analyse von Geschlechtsunterschieden bei Atherosklerose

USCHI SORZ
vom 27.04.2022

"Frauen hat man in der Vergangenheit beim Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher vernachlässigt", sagt Lena Tschiderer. "Dabei spielen hier viele frauenspezifische Faktoren eine Rolle." Die Mathematikerin ist Postdoc an der Abteilung für Neurologie der MedUni Innsbruck, wo sie Datenmanagementstrategien entwickelt und mathematische Methoden einsetzt, um aus großen Datenmengen Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten herauszufiltern.

Geschlechtsunterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atherosklerose, einer krankhaften Veränderung der Arterien, stehen im Mittelpunkt eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts, das sie seit 2021 leitet. So hat sie vor Kurzem im Journal of the American Heart Association eine Forschungsarbeit publiziert, aus der hervorging, dass Stillen das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Müttern eindeutig senkt. Zugrunde lagen Studiendaten von mehr als einer Million Frauen.

Ursprünglich habe sie Medizin studieren wollen, erzählt die 29-jährige Tirolerin, der Reiz der Mathematik sei dann aber doch größer gewesen. "Dass ich heute beide Interessen verbinden kann, finde ich enorm spannend."

Das gelang, weil sich nach ihrem Diplom in technischer Mathematik die Gelegenheit ergab, im Zuge eines Projekts an der MedUni Innsbruck ein PhD-Studium in Neurowissenschaften zu absolvieren. Im Dezember erhielt Tschiderer für ihre Doktorarbeit den Otto-Seibert-Preis.

Kern war eine Metaanalyse von 119 Studien zum Effekt therapeutischer Maßnahmen auf die Gefäßwanddicke der Halsschlagadern. Tschiderer konnte bestätigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dem Maße abnimmt, in dem medizinische Interventionen eine krankhafte Verdickung der Gefäßwand bremsen. Durch ihre Erkenntnisse lassen sich Wirksamkeitsstudien für neue Medikamente zur Senkung des kardiovaskulären Risikos vereinfachen und optimieren.

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