GEDICHT

TOMAS VENCLOVA: AUS DEN CHINESISCHEN NOTIZEN

vom 27.04.2022

Tomas Venclova,

geb. 1937 in Klaipeda, litauischer Dichter und Übersetzer, wuchs in Vilnius auf, wo er Lituanistik studierte. In den 1970er-Jahren Gründungsmitglied der litauischen Helsinki-Gruppe, 1977 Emigration in die USA, wo er an der Yale University russische und osteuropäische Literatur lehrte. Bücher: "Gespräch im Winter. Gedichte" (2007),"Der magnetische Norden. Erinnerungen" (2017).

Wie die Wolle des Jaks an dem Kies schleift. Und ins bläuliche Fleisch fährt ein Messer. Die verwilderte Ebene hinzeigt, wo die Dämmerung nie wird zur Helle.

Die Gewölbe, unbewohnt, fließen über Zellen, die zwecklos geworden. Dem Skelett eines Klosters entsprießen statt Nirvana nur Steine hier oben.

Voller Scharten die Fresken, wie Wolken, selbst die Felsen sind nicht von Dauer, und man könnte beginnen zu hoffen, dass der Krieg endlich aus sei.

(Aus dem Litauischen von Cornelius Hell)

AUS: TOMAS VENCLOVA: VARIATION ÜBER DAS THEMA ERWACHEN. GEDICHTE, HANSER VERLAG 2022

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