: EDITORIAL

Kulturkampf

vom 18.05.2022

Wildnis kümmert in Deutschland auf rund einem, in Österreich auf 0,03 Prozent des staatlichen Territoriums vor sich hin, keine Rede von "O Wildnis, o Schutz vor ihr". Wovor sich eine Literaturnobelpreisträgerin fürchtet, ist uralte Kulturlandschaft. Zivilisation bildet die Mutter aller Schlachten, was Kulturmenschen ängstlich verdrängen, jetzt wieder entsetzt über den Krieg in der Ukraine, obwohl von alters her gilt, dass der Krieg der Vater von allem ist, in diesem Fall eines ukrainischen Nationalbewusstseins und einer stärkeren NATO

Zivilisation und Kultur beginnen mit einem Fingerzeig auf anderes und andere, die Schreibhand ist ebenso Panzerfaust, der Krieg ein Kulturkampf und nicht nur wildes Gemetzel.

Zivilisation bedingt den Menschen. Wo er nicht hinkommt, herrscht Wildnis, die menschenleere Natur, die nicht einmal ein Tourist sehen möchte. Der "Größte Anzunehmende Unfall -GAU" in Tschernobyl hat für einige Zeit für Wildnis in der Ukraine gesorgt, jetzt kommt das Gebiet mit Photovoltaik und Tourismus wieder zurück in die Zivilisation -und damit in den Krieg, der ja weltweit ständig im Gang ist, was die gemütlichen Europäer*innen gern außer Acht lassen. Ihr Kulturkampf gilt immer schon allen Wilden.

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