: SYSTEMANALYSE

Lkw statt Speicherkraftwerke

Elektro-Lkws können auf Bergstraßen Wasserkraftstrom generieren

JOCHEN STADLER
vom 18.05.2022

In den Alpen, Anden und am Himalaya könnten in Zukunft selbstfahrende elektrische Lkw steile Bergstraßen hinauf-und hinuntertingeln und dabei Wasserkraft in elektrischen Strom umwandeln, meint Julian Hunt vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.

Oben am Berg würden die Lastkraftwagen dazu mit Wasser gefüllte Container laden, bei der Talfahrt mit der potenziellen Energie des Wassers Akkus aufladen und den so generierten Strom unten im Tal ins Netz speisen.

In vielen Fällen wäre dies umweltfreundlicher als Speicherkraftwerke. Denn es bräuchte dazu nur eine kleine Anlage am Berg, um das Wasser aus den Bächen und Flüssen in Container zu leiten, schrieben Hunt und Kolleg*innen in der Fachzeitschrift Energy. Im Tal würde man das Wasser langsam in die Gewässer zurückführen. Zusätzlich wäre ein Stromnetzanschluss vonnöten.

Die Lkw sollten nur bestehende Straßen nutzen, damit keine neuen gebaut werden müssen. Sie könnten flexibel unterschiedliche Berge ansteuern, je nachdem, wo gerade viel Wasser fließt. Weltweit wären auf diese Art jährlich 1,2 Billiarden Wattstunden Strom erzeugbar, rund fünf Prozent des globalen Stromverbrauchs. Bergstraßen-Lkw-KW-Strom würde etwa 27 bis 91 Euro pro Megawattstunde (MWh) kosten und wäre damit um die Hälfte günstiger als Stau-KW-Strom, berechneten die Forschenden.

Mehr aus diesem HEUREKA

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!