GASTKOMMENTAR

Das Wissenschaftsvertrauen (wieder) aufbauen

JOHANNES MÖRTH
vom 28.09.2022

Wie kann man der Wissenschaft skeptisch gegenüberstehende Menschen erreichen? Dieser Frage widmet sich #TruSD22 -"Trust in Science and Democracy" mit mehr als 400 Teilnehmer*innen aus der Bildungs-, Wissenschafts-und Forschungscommunity. Am 22. September nahmen über 300 von ihnen an der ersten #TruSD22-Vernetzungskonferenz teil, zu der das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) in die Aula der Wissenschaften nach Wien geladen hatte. Die übrigen rund hundert hatten sich zumindest zeitweise online zugeschaltet.

Laut aktueller Eurobarometer- Umfrage 2021 können 53 Prozent der Menschen in Österreich wenig mit Wissenschaft anfangen. Wie lassen sich genau diese erreichen? Für die Impulsvortragende, die Molekularbiologin Christine Marizzi, lohnt sich ein Blick in die USA oder nach Portugal. Man müsse den Nutzen von Wissenschaft im Alltag deutlich machen, betonte die Direktorin des New Yorker Science Centers BioBus. "Science is everywhere", laute einer ihrer Leitsprüche in ihrer täglichen Arbeit mit Jugendlichen. Für Peter Nagele, den Leiter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Universität Chicago hat die verbreitete Wissenschaftsskepsis in Österreich mit fehlender Anerkennung zu tun. "Fast jeder in Österreich kennt die österreichischen Skistars, nicht aber die Nobelpreisträger."

Es gibt auch Good-Practice-Beispiele gelungener Wissenschafts-und Demokratievermittlung in Österreich. Zum Beispiel das Lehr-Lernlabor der Montanuniversität Leoben, 2019 vom BMBWF mit dem IMST-Award ("Innovationen Machen Schulen Top!") ausgezeichnet. Dabei führen Schüler*innen eigenständig Laborversuche an der Montanuni durch. Bei "Open Mind -Demokratie leben lernen" der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz kommen Studierende und Hochschullehrende in Schulklassen und setzen gemeinsam mit den Schüler*innen vor Ort demokratische Mitbestimmungsprozesse um.

Ein Fazit von #TruSD22: Es braucht mehr Wissenschaftler*innen, die als Botschafter*innen in die Schulen und zugleich mehr Schulen, die in die Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommen. Außerdem muss Wissenschafts-und Demokratievermittlung einen höheren Stellenwert im Studium und in der Forschung einnehmen. Und wie in Portugal muss es auch hierzulande eine umfassende Wissenschaftsund Demokratievermittlungsstrategie geben, bei der alle wichtigen Stakeholder einbezogen werden.

Das BMBWF arbeitet nun daran. "Gute Wissenschafts-und Demokratievermittlung braucht Kommunikation auf Augenhöhe." Davon ist jedenfalls Helmut Jungwirth, der Leiter der sogenannten 7. Fakultät des Zentrums für Gesellschaft, Wissen und Kommunikation der Universität Graz, überzeugt. Als fixes Ensemblemitglied der "Science Busters" muss er es wissen. "Alles, was wir bei den Science Busters machen, ist einstudiert und auswendig gelernt und funktioniert nur, weil uns mit Martin Puntigam ein Profi durch die Show führt", betonte er in seinem Abschlussvortrag.

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