KLIMATECHNOLOGIE

Energiesparen

CHRISTOPH PONAK
vom 28.09.2022

Zur Eisenherstellung aus Erzen verwendet man heute größtenteils kohlenstoffbasierte Reduktionsmittel wie Koks oder Kohlenmonoxid und zunehmend auch Wasserstoff. Letzterer soll aus Elektrolyseuren kommen, die Strom nutzen, um Wasser zu zerlegen.

Die ambitionierten Dekarbonisierungspläne der EU, die Wasserstoffstahl gern als "grün" darstellen, sind jedoch ein Mammutprojekt. Einige vereinfachende Annahmen wie hochqualitative Erze verwenden, dreißig Prozent des Stahls aus Schrott statt aus Erzen (also Recycling) herstellen und ein Überschuss von rund vierzig Prozent Wasserstoff ermöglichen eine überwältigende Veranschaulichung. Das zu hinterfragende Prinzip: Die Nutzung von Hochöfen verursacht für 6,1 Millionen Tonnen österreichischen Roheisens rund 8,5 Millionen Tonnen CO2, Wasserstoff rein chemisch keines. Heureka?

Der mit der Wasserstoffproduktion assoziierte CO2-Abdruck hängt von der Herkunft des elektrischen Stroms und des Wasserstoffs selbst ab. Bei Annahme von einem CO2-Ausstoß von etwa 200 bis 300 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Energie ("Grid-Faktor"), 75 kg Wasserstoff pro Tonne Eisen und 55 kWh Strom pro Kilo Wasserstoff landet man bei 5,0-7,6 Millionen Tonnen CO2. Stammt der Wasserstoff aus Erdgas, sind es 4,3 Millionen Tonnen. Das nicht "null".

Die Wasserstoffmenge, sollte sie aus Elektrolyseuren stammen, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden, benötigt ca. 25,2 Terawattstunden Energie pro Jahr. Die in Österreich installierte Kapazität aus rund 1.300 Windkraftanlagen beträgt 3.300 MW, was bei 2.200 Volllaststunden in etwa 7,3 Terawattstunden jährlich entspricht. Es braucht also 4.500 Windräder für die inländische Eisenproduktion.

Bei allen vereinfachenden Annahmen, zu erwartenden Technologieverbesserungen und zu hoch geschätzten Grid-Faktoren ist ersichtlich, dass der Erneuerbarenausbau zu langsam geht. Die europäische Förderlandschaft sollte daher weiterhin diverse technologische Ansätze unterstützen und Wasserstoff nicht als allheilbringende Klimalösung werten. An Sparsamkeit, die wir im Winter womöglich üben werden dürfen, aber auch an Carbon Capture and Utilisation Storage wird kein Weg vorbeiführen.

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