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Stadt und Land -das Glossar

JOCHEN STADLER
vom 28.09.2022

Arbeitsplätze Gibt es in den Städten zahlreich und für verschiedenste Qualifikationen, am Land spärlich und für deutlich weniger Berufsfelder.

Artenvielfalt In der Stadt leben nicht nur unterschiedlichste Menschen, sondern auch Pflanzen und Tiere zusammen, viele Grünzonen in den Städten sind deutlich artenreicher als landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen auf dem Land. Ausbildungsmöglichkeiten Reichen in den Städten von der Grundschule bis zu Universitäten und berufsbegleitender Fortbildung, auf dem Land bis zur Mittelschule. Autos Bringen Landbewohnende unter der Woche zuhauf in die Städte und verstreuen am Wochenende die Städter*innen zuhauf am Land.

Fremdenangst Ist in Österreich dort am größten, wo es ohnehin kaum Zuwanderung aus anderen Ländern gibt, nämlich auf dem Land.

Geländewagen In der österreichischen Hauptstadt und dem recht flachen Umland (Wien, Niederösterreich und Burgenland) werden laut Statistik Austria besonders viele Gelände-und Pseudogeländeautos gekauft (und zugelassen).

Infrastruktur Wurde durch hohe Individualmobilität zunehmend vom Land verbannt und an trostlose Einkaufszentren mit hektarweise zubetonierten Parkplätzen um die Städte herum verpflanzt. So gibt es viele ehemals blühende Ortschaften am Land, die zu reinen Einfamilienhaussiedlungen mutiert sind.

Landflucht Umzug vom Land in die Stadt, hauptsächlich um der dortigen Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten wegen.

Landwirtschaft Findet auch in der Stadt statt, so werden etwa in Wien 14 Prozent der Fläche zum Anbau von Gemüse, Obst und Ackerfrüchten genutzt.

Nachbarn Kennt man auf dem Land seit ewig und genau, um sie regelmäßig einzuladen, zu besuchen, hinter ihrem Rücken über sie zu reden, und teils erbittert mit ihnen zu streiten. In der Stadt ist das irgendein*e Fremde*r, der oder die um diese oder jene Zeit vielleicht jene Geräusche macht, die durch das Mauerwerk oder aus dem Fenster dringen.

Öffentlicher Verkehr Ist in vielen Städten attraktiv und günstig, und manchmal sind auch die Verbindungen vom Land direkt in die Hauptstädte passabel. Von einem Punkt am Land zum anderen zu kommen, ist aber heutzutage per Öffis zwischen nervenaufreibend bis unmöglich.

Pendeln Tägliches Kilometerfressen von Landbewohnnenden, um zum Arbeits-oder Ausbildungsplatz in der Stadt zu gelangen.

Politische Einstellung Stadt eher liberal, Land eher konservativ. Speckgürtel Ringförmiger Bereich um die Ballungszentren mit Passivhäusern Gutbetuchter, großflächig betonierten Terrassen, Carports und Zufahrten auf ehemaligen Grünflächen.

Stadtflucht Verzweifelte Suche nach Haus mit Garten, guter Verkehrsanbindung und raschem Internetanschluss für das Zuhausebüro in nicht renovierungsbedürftigem Zustand zu leistbarem Preis etwa während der Coronapandemie.

Stadtklima Gegenüber dem Umland verändertes Lokalklima durch dichte Verbauung, fehlende Vegetation, Abwärme und vermehrte Luftschadstoffe.

Urbanisierung Weltweiter Trend von Menschen, vom Land in Städte zu ziehen. Weltweit ist die Zahl der Menschen, die in Städten wohnen, von 1950 bis 2018 von 751 Millionen auf 4,2 Milliarden um das Fünfeinhalbfache gestiegen. In derselben Zeit wuchs die Weltbevölkerung von 2,5 auf 7,5 Milliarden "nur" auf das Dreifache an.

Urbanisierungsgrad Anteil der Stadtbewohnenden eines Landes. In Österreich anno 2021 knapp sechzig Prozent (siehe Seite 12), bis 2050 sollen es rund siebzig Prozent sein.

Verdichten Sinnvolle, aber selten umgesetzte Steigerung der Siedlungsdichte innerhalb der Dörfer und Städte durch Renovierung und Höherwerden, anstatt die grünen Flächen rundherum zu verbauen.

Zweitwohnsitze Der doppelte Platzbedarf von Leuten, die sich nicht zwischen Stadt und Land entscheiden können, führt zum Trend der "Multilokalität"(siehe auch Seite 12).

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